Shawn Maximo
#3, 2016

 
<p>Shawn Maximo, <em>#3</em>, 2016, Installationsansicht während der 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, Verschiedene Materialien, mit einem Soundtrack von Justin Simon, Foto: David von Becker<br />
Courtesy der Künstler</p>

Shawn Maximo, #3, 2016, Installationsansicht während der 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, Verschiedene Materialien, mit einem Soundtrack von Justin Simon, Foto: David von Becker
Courtesy der Künstler

 

Um einen Eindruck von der heutigen Überschneidung von virtueller und realer Welt zu gewinnen, muss man sich lediglich Grenzgebiete des Kommerziellen, wie Schaufenster oder das sogenannte Home Staging, betrachten. Letzteres bezeichnet den aktuellen Trend, Immobilien durch den Einsatz von Möbelattrappen und nachgebildetem Eigentum „wirklicher“ erscheinen zu lassen und somit für potenzielle KäuferInnen attraktiver zu machen. Shawn Maximos Kunst ist von seiner Arbeit als Designer und Architekt geprägt, bei der er Schaufenster für Marken wie Gucci und MAC Cosmetics entwirft und experimentelle Kulissen und virtuelle Renderings mit dem Kunstkollektiv Yemenwed kreiert. Die Überlagerung und das Aufeinanderprallen disparater visueller Referenzen sind ein fester Bestandteil von Maximos künstlerischer Technik; so auch in seiner Reihe Neighboring Interests (2013), für die er Bilder gerendert hat, die spezifische architektonische Räume mit fremdartigen Funktionen kombinieren. Man stelle sich ein Krankenhausbett in der Mitte eines Gastronomiebereiches eines Einkaufszentrums vor, der mit Stühlen des Designers Konstantin Grcic möbliert ist. Das Ergebnis macht auf die fantasiegeladenen Formen der Konsumkultur und der Lifestyle-Werbung aufmerksam – eine Kombination unvereinbarer Stile, die eine absurde Form mit einer dennoch nachvollziehbaren Funktionalität verbindet.

 

Für die 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst hat Maximo in den KW Institute for Contemporary Art eine Unisex-Toilette umgestaltet. Der Künstler ließ neue Wände und Fußböden installieren, auf denen großformatige Fotografien von hyperrealen Welten zu sehen sind, die gleichzeitig Innen- und Außenbereich zu sein scheinen; hybride Innenräume, die einen Blick nach draußen ermöglichen. Die alten Toiletten wurden durch ein Hockklosett ersetzt. Diese letzte private Zone ungestörter Ruhe wurde im Rahmen der 9. Berlin Biennale in ein Informationszentrum umgewandelt. Ein Ort privater Erleichterung wird so mit einem Raum öffentlicher Partizipation und Informationsverteilung verschmolzen.