Martin Wong, Tell My Troubles to the Eight Ball (Eureka), 1978–81. Courtesy of the Martin Wong Foundation und P.P.O.W, New York © Martin Wong Foundation
Martin Wong
Malicious Mischief
Martin Wong (1946–1999, USA) wurde mit seinen sozial, sexuell und politisch aufgeladenen Szenerien aus den USA der 1970er- bis 1990er-Jahre bekannt. Er verwob Erzählungen über queere Existenz, marginalisierte Communitys und Gentrifizierung auf poetische Weise miteinander und gilt als wichtige gegenkulturelle Stimme zum reaktionären Diskurs des Kunstestablishments jener Zeit. Der Künstler war stark von seiner unmittelbaren Umgebung beeinflusst und verband in seiner Praxis die visuellen Sprachen chinesischer Ikonografie, urbaner Poesie und des Graffiti sowie künstlerische Gefängnis-Referenzen und Fingeralphabet miteinander. Sein Werk gibt seltene Einblicke in wichtige Abschnitte der jüngeren US-amerikanischen Geschichte und erzählt diese entlang sich verändernder Stadtlandschaften, verborgener Sehnsüchte und komplexer Verstrickungen. In der Rolle eines urbanen Chronisten und kritischen Beobachters hat Wong ein Werk geschaffen, das soziale Wirklichkeit auf poetische Weise erschließt und die harte Realität transzendiert, indem es Räume voller Schönheit und Inklusion eröffnet. Hier können die herrschenden Verhältnisse von Klasse, race und sexueller Orientierung neu gedacht und gestaltet werden.
Die Ausstellung Martin Wong – Malicious Mischief ist in thematischen Räumen angeordnet, die sich an Wongs künstlerischer Biografie orientieren, und setzt sich mit dem vielschichtigen Kosmos des Künstlers auseinander. Sie beginnt mit Gemälden, Gedichten und Skulpturen, die von der euphorischen Atmosphäre in San Francisco und Eureka (Kalifornien) geprägt sind. Dort wuchs Wong in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren als einziger Sohn chinesischer Eltern, die selbst bereits in Amerika geboren waren, auf. Sodann werden seine ikonischen Gemälde aus den 1980er- und 1990er-Jahren gezeigt, die er im damals heruntergekommenen New York geschaffen hat, sowie vor seinem frühen Tod infolge einer AIDS-Erkrankung geschaffene Werke, welche die Bildwelten der Chinatowns an der Ost- und Westküste aufgreifen. Der Titel der Ausstellung – Malicious Mischief – bezieht sich auf eine bedeutende Werkreihe aus den Jahren 1991 bis 1998, die sich mit dem „Outlaw“ in einem weiten Sinne beschäftigt. Wong malte und fetischisierte die „Outlaws“ während seiner gesamten Schaffenszeit – jugendliche Straftäter*innen der Lower East Side Manhattans, das sogenannte „Loisaida“, genauso wie bei Nacht aktive Graffitikünstler*innen.
Martin Wong – Malicious Mischief ist die erste umfassende internationale Werkschau des Künstlers außerhalb der USA, initiert von den KW Institute for Contemporary Art, Berlin und produziert in Zusammenarbeit mit dem Museo Centro de Arte Dos de Mayo (CA2M), Móstoles, Madrid, dem Camden Art Centre, London und dem Stedelijk Museum Amsterdam. Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation, gemeinsam herausgegeben mit dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König.
Kuratoren: Krist Gruijthuijsen, Agustín Pérez Rubio
Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen
KW Studio über Martin Wong mit Krist Gruijthuijsen, Agustín Pérez Rubio, Sofie Krogh Christensen. Produktion: LOCOLOR, Realisation & Producer: Gregor Kuhlmann Kamera: Vincent Schaack, Jacqueline Olive D’Souza-Toulson, Editing & Color Grading: Lia Valero.
Trailer Martin Wong: Malicious Mischief in Deutscher Gebärdensprache. Konzept und Moderation: Andreas Döltgen, Kamera: Frank Sperling.
Kuratorische Einführung
Die Anfänge an der Westküste
In den ersten Jahren seines künstlerischen Schaffens studierte Martin Wong Keramik und Druckgrafik an der Humboldt State University in Kalifornien. Wie auch seine Mutter Florence Wong Fie hatte er eine Leidenschaft für Antiquitäten, Objekte der Popkultur und für antike chinesische Keramik. Weiterhin fühlte er sich der Kalligrafie als Ausdrucksform chinesischer Kultur verbunden und bediente sich ihrer in seinen Gedichtrollen immer wieder.
Biografie
Martin Wong (1946–1999) wurde in Portland, Oregon, geboren und wuchs in San Francisco auf. Er studierte Keramik und Druckgrafik an der Humboldt State University, wo er 1968 seinen Abschluss machte. Wong war in den Performancegruppen The Cockettes und Angels of Light Free Theater aktiv, bevor er 1978 nach New York zog. Er stellte zwei Jahrzehnte lang in namhaften Galerien in Downtown Manhattan aus, darunter EXIT ART, Semaphore und P-P-O-W. Er starb in San Francisco an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung.
Sein Werk ist in internationalen Sammlungen vertreten, unter anderem im Metropolitan Museum of Art, im Museum of Modern Art, im Bronx Museum of the Arts, und im Whitney Museum of American Art (alle in New York). Weiterhin im Cleveland Museum of Art, im Art Institute of Chicago, und im San Francisco Museum of Modern Art. Die Ausstellung Human Instamatic eröffnete im November 2015 im Bronx Museum of The Arts in New York und wurde 2016 im Wexner Center for the Arts in Columbus (Ohio) sowie 2017 im UC Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive in Berkeley (Kalifornien) gezeigt.
Martin at his solo exhibition at Exit Art, 1988. Photo by Florence Wong Fie. Courtesy of the Martin Wong Foundation.
Martin at his solo exhibition at Exit Art, 1988. Photo by Florence Wong Fie. Courtesy of the Martin Wong Foundation.
Die Ausstellung und die Publikation in den KW werden durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Mit freundlicher Unterstützung der Martin Wong Foundation, P.P.O.W, New York, KAWS und der Galerie Buchholz.
Martin Wong – Malicious Mischief wurde von den KW Institute for Contemporary Art, Berlin initiiert, kuratiert von Krist Gruijthuijsen und Agustín Pérez Rubio und produziert in Zusammenarbeit mit dem Museo Centro de Arte Dos de Mayo (CA2M), Madrid, dem Camden Art Centre, London und dem Stedelijk Museum Amsterdam.