Umut Azad Akkel
Umut Azad Akkels Installation The Path – Structure II im Hof des KW spiegelt die Erfahrung wider, undurchsichtigen und willkürlichen bürokratischen Systemen gegenüberzustehen, die den Alltag prägen. Seit 2021 entwickelt, untersucht die The Path-Serie die Beziehung zwischen Selbst und Stadt, geprägt von Akkels Migration nach Deutschland und den existenziellen Belastungen, denen er in Istanbul ausgesetzt war. In Anlehnung an M. C. Eschers unmögliche Treppen nutzt die großformatige Struktur rohe Baumaterialien, um sowohl Blockade als auch die (illusorische) Möglichkeit sozialen Aufstiegs anzudeuten. Gerüste, heute allgegenwärtig in wachsenden Metropolen, verweisen auf Orte urbaner Transformation, die häufig auf der prekären Arbeit zahlloser migrantischer Arbeitskräfte beruhen. Zusammen mit The Path – Drawings und The Path – Prototype II präsentiert, materialisiert die Arbeit Desorientierung, Fragilität und den fortwährenden Kampf um Erneuerung innerhalb feindlicher Systeme.
Umut Azad Akkel (* 1991, TR) lebt und arbeitet zwischen Berlin und Istanbul und schafft partizipative Installationen mit Objekten, Video-Performances, Zeichnungen und Collagen. Seine künstlerische Praxis untersucht Verwundbarkeiten und Dysfunktionalitäten an der Schnittstelle von privaten und öffentlichen Beziehungen, öffentlichem Raum und Identitätspolitiken (queer und migrantisch). Seine Einzelausstellung It/Ortada wird 2026 im Haus am Lützowplatz, Berlin, gezeigt, nach ihrer früheren Version in İmalat-Hane, Istanbul (2024).
Felisha Carénage
Felisha Carénages Installation erstreckt sich über die Fassaden des Vorderhauses des KW und des Kunst Raum Mitte und sucht – als Jumbie, einer geisterhaften Figur aus dem karibischen Karneval – die Gebäude und Straßen von Berlin-Mitte heim. Mit Ringelblumenpigment bestäubte Latex-Ausschnitte verweisen auf verschiedene Trauerrituale, den „lebenden Tod“ partnerschaftlicher Gewalt und postkoloniale Weiblichkeit, geprägt vom Tod von Prinzessin Diana – ein Ereignis, das für viele karibische Frauen zeigte, dass Freiheit unter einem Imperium, selbst in dessen vermeintlichem Nachhall, tödlich sein kann. Hoch über dem Boden hängende Turnschuhe markieren den Tod einer jungen Person und signalisieren in dieser Arbeit zugleich das Erscheinen eines Moko Jumbie, welches am 11. Januar 2026 im Rahmen einer Performance eintreten wird.
Ein 2007er iPod Nano Modell, bestückt mit MP3s, selbst produzierten Videos und Albumcovern, und den Liedern Choucoune und Yellow Bird, wird zusammen mit der Schale der Großen Fechterschnecke zugleich zum Objekt des Widerstands als der Verzerrung kultureller Erinnerung durch Souvenirs.
Felisha Carénage (* 1986, TT) ist eine in Berlin und London lebende Künstlerin aus Trinidad und Tobago. In ihren Arbeiten nutzt Carénage Performance und erweiterte Malerei, um Ethiken des Imperiums zu untersuchen und Geschlecht, Rasse, Sprache und Nation durch Spiel, Noise, das Bacchanale und Karnevaleske aufzubrechen. Sie schuf Auftragsarbeiten für die Dekoloniale, Berlin, Deutschland (2024), The Racial Imaginary Institute / daadgalerie, Berlin, Deutschland (2025), und das Van Abbemuseum, Eindhoven, Niederlande (2026).
Will Fredo
Im Jahr 1835 organisierte der Afrobrasilianische Muslimische Abolitionist Manuel Calafate den Malês-Aufstand, die größte von versklavten Menschen angeführte Rebellion in Brasilien. Nach deren Zerschlagung flohen viele in die Wälder Bahias, wo sie selbstverwaltete Gemeinschaften bildeten, die als Maroon Societies, Palenques oder Quilombos bekannt wurden. Diese Gruppen, die in ganz Lateinamerika existierten, vereinten Schwarze, Indigene und zuweilen arme weiße Menschen im Widerstand gegen Unterdrückung.
Für Imperfect Lovers: A Ritual for Johann Hammes, führen Will Fredo und drei weitere Künstler*innen ein spekulatives Ritual für Johann Hammes auf, einen deutschen Metallarbeiter, der gegen das Dritte Reich Widerstand leistete. Die Videoarbeit wurde im Murellenberg Wald gedreht – jenem Ort, an dem Hammes achtzig Jahre zuvor hingerichtet wurde – und greift Maroon Konzepte wie Camouflage, Opazität und zirkuläre Zeit auf.
Die Machete, zugleich Werkzeug und Symbol der Maroonage, trägt die Abdrücke der Lippen von Calafate und Hammes. Sie spielt auf das Risiko und Potenzial an, die Stimme gegen Autorität zu erheben, und setzt Erinnerung als lebendige Technologie für die Bildung einst unmöglicher Allianzen ein.
Will Fredo (* 1985, PT) ist ein*e portugiesisch-deutsche*r Künstler*in guatemaltekischer und kapverdischer Herkunft. Geleitet von indigener queerer Ökologie und der Black Radical Tradition entwickelt Fredo kollektive Projekte an der Schnittstelle von Storytelling und Philosophie.
Alfonso Bueno Lima ist ein*e uruguayischer Performer*in, Tänzer*in und multidisziplinäre*r Künstler*in mit Sitz in Berlin.
Rebecca Pokua Korang ist eine deutsch-ghanaische multidisziplinäre Künstlerin und Kulturpädagogin mit Sitz in Berlin. Ihre Arbeit untersucht die Komplexität von Identität und Geschichte.
Tere Stout ist post-disziplinäre*r Researchkünstler*in, deren Arbeit Klang, Belles-Lettres und Performance umfasst.
Tra My Nguyen
She Who Moves ist ein kurzer Roadmovie, der Bewegung als Mittel körperlicher und psychischer Transformation erforscht. In Vietnam gedreht, folgt er einer allein reisenden Motorradfahrerin, die durch traumähnliche Landschaften driftet, in denen Erinnerung, Identität und Umgebung ineinanderfließen. An einem Brunnen legt die Protagonistin ein Selbst ab und gewinnt ein anderes, eine zweite Haut, die ihre Metamorphose ankündigt.
Und während ich mich dem Aufbruch entgegen bewege, habe ich keine Angst vor dem Unbekannten, denn auch ich bin das Unbekannte für alles, was mir entgegenkommt.
Es gab immer jene, die wartet und weint. Aber jetzt gibt es auch jene, die sich bewegt.
– Sofia Thiu D’Amico über Tra My Nguyen (BPA// Exhibition 2025 Ausstellungspublikation)
Tra My Nguyen (* 1992, VN) ist eine multidisziplinäre Künstlerin mit Sitz in Berlin, die mit Skulptur, Textilien und bewegtem Bild arbeitet. Ihre Praxis rekontextualisiert materielle Kultur durch eine diasporische Perspektive und untersucht, wie körperliche Verflechtungen Machtstrukturen durch Agency und Transformation navigieren. In spekulativen Narrativen erforscht Nguyen Verkörperung und Kommodifizierung innerhalb globalisierter Systeme. Zu ihren jüngsten Ausstellungen im Jahr 2025 zählen MUNTREF Museo de Artes Visuales, Buenos Aires, Savvy Contemporary, Berlin, und NARS Foundation, New York.
Monilola Olayemi Ilupeju
The Wishing Well rückt die Birke als Gegenstand kultureller Projektion, persönlicher Erinnerung und ökologischem Wandel in den Mittelpunkt. Einst mit europäischen Vorstellungen von Fruchtbarkeit, Schönheit und dem „idealen“ Körper verbunden, erscheint die Birke nun als poröse, hybride Präsenz, die von vielschichtigen Prozessen des Wandels geprägt ist. Die in Rinde eingekleidete, hohle Struktur weist Brandspuren, Graphit und Pigmentspuren auf, Zeichen und Gesten, die zwischen Einschreibung und Auslöschung schweben. Die Arbeit fragt danach, wie Begehren, Identität und überlieferte Narrative in Materialien und Objekte eingeschrieben werden können – und dabei dennoch wandelbar bleiben. Ein naher Baumstumpf wird zu einem Mancala-Brett umgearbeitet und erinnert an ein Spiel aus der Kindheit der Künstlerin. Ilupejus Malereien auf Leder, Spraying und Vows, erweitern diese Untersuchung der Haut als Mem- bran zwischen Subjekt und Gesellschaft und reflektieren familiäre Rituale wie Hochzeiten, in denen Zärtlichkeit und finanzielle Transaktion oft nebeneinander existieren.
Monilola Olayemi Ilupeju (* 1996, US) ist eine nigerianisch-amerikanische Künstlerin und Autorin mit Wohnsitz in Berlin. In ihrer Arbeit, die Malerei, Schreiben, Performance und Installation umfasst, untersucht sie Intimität, Gewalt, Heilung und die Verzerrung kultureller Narrative. Sie studierte Studio Art sowie Social & Cultural Analysis an der NYU und Malerei in Skowhegan. Zu ihren jüngsten Projekten zählen ihre Einzelausstellung BloodLetter in der Kestner Gesellschaft (2024) und The Wishing Well bei Art Basel: Statements (2025).
Stanton Taylor
Stanton Taylors Arbeit nimmt Bezug auf das gleichnamige Anti-Kriegsplakat der Art Workers Coalition von 1969, das sich gegen die US-Intervention in Vietnam richtete. In seiner Adaption für das 21. Jahrhundert setzt Taylor kunsthistorische Ikonografie in Beziehung zu zeitgenössischen Nachrichtenbildern und richtet einen seitlichen Blick auf die Widersprüche, die dem westlichen politischen Einsatz der Figur des Kindes und der damit verbundenen Vorstellungen von Unschuld zugrunde liegen.
Stanton Taylor (* 1990, TT) ist ein in Berlin lebender Künstler und Autor. In seiner Arbeit mit Fotografie und Installation setzt er sich mit Ausstellungsgeschichten und Präsentationsformen auseinander, um Konstruktionen des Menschlichen sowie deren Auslassungen zu hinterfragen. Gemeinsam mit seinem Kollaborateur Tobias Hohn stellte er zuletzt aus im Bonner Kunstverein (2025); Galerie Khoshbakht, New York (2025); Baader-Meinhof, Omaha (2024); Sweetwater, Berlin (2024); Lore Deutz, Köln (2024); und Scherben, Berlin (2024). Im Frühjahr 2026 realisieren Hohn und Taylor eine Einzelausstellung in der Galerie Max Mayer, Berlin.
Rexy Tseng
Rexy Tsengs Installation The End Effector zeigt einen Roboterarm, der auf einer Plattform aus Solarmodulen montiert ist und eine weiße Fahne als Geste der Kapitulation schwenkt. Inspiriert von Théodore Géricaults Das Floß der Medusa interpretiert Tseng die Szene kollektiven Überlebens als eine Meditation über Technologie, Klimakrise und die Ethik des Futurismus. Die Arbeit spiegelt einen Paradigmenwechsel wider: weg vom Optimismus des vergangenen Jahrzehnts gegenüber Kommunikationstechnologien, sauberer Energie und Weltraumforschung – hin zu politischer Polarisierung, wirtschaftlicher Unsicherheit und wachsendem Misstrauen. Die anfängliche Begeisterung für Ingenieurwesen ist Ängsten vor Automatisierung, Arbeitsplatzverlust und steigender Inflation gewichen und ruft das Motiv des Schiffbruchs hervor – ein Floß, das ohne Hoffnung dahintreibt.
Das Gemälde Parliamentary Brawl Before a Storm verbindet die Abbildung einer Schlägerei im Parlament mit einer umgekehrten Fotografie eines Taifuns in Taiwan. Das Werk spiegelt hitzige Debatten im Parlament wider, während der Sturm auf staatliche Unvorbereitetheit und wunde Punkte der provinziellen Infrastruktur verweist.
Rexy Tseng (* 1986, TW) ist ein in Berlin lebender Künstler, der mit Malerei und Installation arbeitet. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen Magenta Plains, New York, USA, und das Armenian Center for Contemporary Experimental Art, Jerewan, Armenien (beide 2025); Uitstalling, Gent, Belgien (2023) sowie das Taipei Fine Arts Museum, Taiwan (2022).
Prateek Vijan
Prateek Vijans Installation This object is temporarily removed from display lenkt den Blick auf die Dienstuniform von Ausstellungsaufsichten und versteht Museen als einen Ort, an dem koloniale Extraktion auf ihre heutigen Nachwirkungen in einem von Arbeitsmigration und prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägten Kontext treffen. Eine Uniform materialisiert einen institutionellen Vertrag zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden – sie verleiht Autorität und fordert zugleich Disziplin im Austausch gegen Lohn ein. Vijan konfiguriert die Dimensionen von standardisierten Uniformen großer westlicher Museen und unterläuft damit die visuellen Codes der Neutralität, die üblicherweise mit Museumsmitarbeiter*innen verbunden werden. Die Arbeit macht auch sichtbar, dass jene, die Sammlungen bewachen, häufig aus Regionen stammen, deren kulturelle Objekte im Zuge imperialer Expansion enteignet wurden. Vijans Uniformen sind zugleich Skulptur und ritualisierte Performance, die das Museum als Ort kolonialer Kontinuitäten offenlegt und die Parameter institutioneller Strukturen und Verhaltenskodizes hinterfragt.
Prateek Vijan (* 1991, IN) ist ein in Berlin lebender Künstler. Seine Arbeit untersucht, wie Systeme von Besitz, Bewahrung und kultureller Wertschöpfung die Spuren kolonialer Macht fortführen. Er zeigte eine Einzelausstellung im Kunstverein Hamburg und stellte u. a. im MGK Siegen aus. Vijan erhielt den Ars-Viva-Preis 2026 sowie den Berenberg Kulturpreis 2025. Bevorstehende Ausstellungen finden im Marta Herford Museum (2026) und dem Kunstverein Braunschweig (2026) statt.
Hana Yoo
Ausgehend von einer Studie über weibliche Frösche, die sich tot stellen, um Paarungsakten zu entkommen, verfolgt Hana Yoos neue Videoarbeit I Came for the Flowers, wie generationenübergreifende Erinnerungen an systemische Gewalt gegen weibliche Körper in Frauen über die Zeit fortbestehen. Yoos Arbeit reflektiert das oft weiblich kodierte Konzept von Passivität, indem sie die visuelle Ästhetik Südkoreas der 1990er und 2000er Jahre mit Archivaufnahmen der „Trostfrauen“ aus den 1940ern sowie persönlichen, intimen Videoaufzeichnungen verbindet und dabei das „Totstellen“ als einen traumartigen, schwebenden Zustand darstellt, in dem sich Widerstand nicht nur in Konfrontation, sondern auch in Stillstand, Humor und dem zerbrechlichen Instinkt zu überleben äußert.
Die Neonarbeit Nightmare (악몽 vertikal auf Koreanisch geschrieben) erinnert an das Leuchten von Ladenschildern Südkoreas der 1960er Jahre, als im Zuge der rasanten Nachkriegsentwicklung Sextourismus entstand, und fängt den Übergang von militärischer Gewalt zur Gewalt des Kapitals ein.
Hana Yoo (* 1987, KR) ist eine in Berlin lebende multidisziplinäre Künstlerin, die mit Video und Installation arbeitet. Ihre forschungsbasierte Praxis untersucht kollektive Angst, transzendentale Erfahrung und Prozesse des Othering durch parodisches Erzählen, das psychopolitische Strukturen hinterfragt. Zu ihren jüngsten Auftragsarbeiten gehören die 38. transmediale im Haus der Kulturen der Welt sowie Sungkok Art Museum × Busan Museum of Art (2025). Sie erhielt den Berlin Art Prize (2022) und ist derzeit Stipendiatin der Jungen Akademie an der Akademie der Künste.
Quellen:
Drop dead! Female mate avoidance in an explosively breeding frog (2023)
Carolin Dittrich and Mark-Oliver Rödel
Humboldt University, Museum für Naturkunde Berlin, Germany
A Cruelty Special to Our Species: Poems (2018) Book by Emily Jungmin Yoon Ecco/HarperCollins, New York, USA
Archive Footage (1945, 1991)
War & Women’s Human Rights Museum, Seoul, South Korea
Julija Zaharijević
Zaharijevićs Landmines präsentiert realistische, großformatige Ölgemälde von Landminen aus der Vogelperspektive. Was sich zunächst als abstrakte Form lesen lässt, enthüllt sich allmählich als gegenständlicher Realismus. Die Darstellungen oszillieren zwischen bloßer Abbildung und der Freilegung eines sonst unsichtbaren ornamentalen Mittelpunkts – und legen so die Spannung zwischen visueller Anziehungskraft und der latenten Bedrohung offen, die das Objekt symbolisiert.
Die Kompositionen vermeiden bewusst ein definiertes visuelles Zentrum und beziehen sich so auf Gestaltungsprinzipien klassischer Malerei, in der ein Fokuspunkt traditionell den Bildraum strukturiert und den Blick der Betrachtenden lenkt. Seine Abwesenheit wirkt hier wie eine offene Leerstelle, die die Gewissheit der Wahrnehmung destabilisiert und den Blick auf die materielle Präsenz und die unsichtbare, aber allgegenwärtige Wirkung von Akteuren der Kriegsführung lenkt.
Julija Zaharijević (* 1991, RS) ist Künstlerin und lebt in Berlin und Wien. Ihre Praxis untersucht den symbolischen Wert von Objekten und wie ihre visuelle Form Bedeutung und Kanonisierung prägt. Sie wählt Motive, in denen eine Dissonanz zwischen der konzeptuellen Bedeutung eines Objekts und seinem Erscheinungsbild besteht, und hinterfragt damit Vorstellungen von Realität, Macht und den Nachwirkungen des westlich-modernistischen Diskurses. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören Thriller, Automakanda, Belgrad sowie Soggiorno, Noah Klink bei Tanya Leighton, Berlin (beide 2025), 2026 findet eine Einzelausstellung bei Medium P, Berlin, statt.