Else Marie Pade, 1962. Foto: Unbekannt.
Else Marie Pade
Partitur
„Die Welt war wie eine große Kuppel voller Klänge.“
Partitur ist die erste internationale Ausstellung, die der dänischen Komponistin und Klangkünstlerin Else Marie Pade (* 1924, † 2016, DK) gewidmet ist – einer Wegbereiterin der Musique concrète und der elektronischen Musik in Europa. Über eine mehrere Jahrzehnte umspannende Karriere hinweg näherte sich Pade dem Klang als einem Medium elektronisch erzeugter Melodien an und erforschte Intensität, Vielheit und Dissonanz. Ihr mannigfaltiges Œuvre umfasst neben den elektronischen Arbeiten Kammer- und Orchestermusik, Musik für Kinder, Begleitmusik für TV- und Hörspiele sowie Musikdramen, die die Hörer*innen durch Märchen, Stadtlandschaften und Albträume führen.
Die Ausstellung bildet einen immersiven Hörraum, der von der Struktur von Pades Partituren geprägt ist. Sie versammelt zehn wegweisende musikalische Arrangements der Künstlerin, die durch den Raum erklingen. Zusammen mit einer Auswahl ihrer Arbeiten auf Papier zeichnet die Ausstellung Pades künstlerischen Werdegang nach, beginnend in den 1950er Jahren, als sie dem französischen Komponisten Pierre Schaeffer begegnete. Als ausgebildete klassische Pianistin wandte sie sich Schaeffers Musique concrète zu, um die abstrakten klanglichen Räume zu bauen, zu denen sie sich seit ihrer Kindheit hingezogen fühlte. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern begann Pade, die Töne und Geräusche ihres Zuhauses und in der umliegenden Stadtlandschaft aufzunehmen und neu zusammenzusetzen. Später gründete die Künstlerin das erste Studio für elektronische Musik beim Dänischen Rundfunk (DR) in Kopenhagen, wo sie weiterhin mit dem Einsatz neuer Technologien für die musikalische Komposition experimentierte. Beim Besuch der „Internationalen Ferienkurse für Neue Musik“ in Darmstadt in den 1960er Jahren wurden die Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Pierre Boulez zu ihren Mentoren. Mit ihnen stand Pade nun in einem stetigen kreativen Austausch.
Neben ihrem Interesse an Maschinen, Physik, dem Geschichtenerzählen und später in ihrem Leben an christlicher Spiritualität wurzelte Pades musikalisches Verständnis in ihren Erfahrungen, die sie während des Zweiten Weltkriegs als Gefangene des Internierungslagers Frøslev (Dänemark) machte. Dort war sie aufgrund ihrer Beteiligung am Widerstand von Frauen gegen die deutsche Besatzung inhaftiert worden.
Infolge der posttraumatischen Belastungsstörung, mit der sie seit ihrer Haft zu kämpfen hatte, verschlechterte sich Pades Gesundheitszustand, und sie zog sich 1973 offiziell aus der Musik zurück. Ihr Werk geriet in der dänischen Musikgeschichte seit den frühen 1980er Jahren weitgehend in Vergessenheit. Erst seit den 2000er Jahren erfährt es mit zahlreichen neuen Aufnahmen, Remixen und Aufführungen erneute Aufmerksamkeit.
Im Zuge der Ausstellung finden ein Live-Konzert der Cellistin Khabat Abas, im Rahmen von MaerzMusik 2026, und ein Gespräch über das Erbe von Künstlerinnen in der experimentellen elektronischen Musik statt.
Kuratorin: Sofie Krogh Christensen
Biografie
Else Marie Pade (*1924–†2016) gilt als bedeutendste Pionierin der elektronischen Musik und der musique concrète in Dänemark. Mit dem Komponieren begann sie nach dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf sie aufgrund ihrer Beteiligung am Widerstand der Frauen inhaftiert war. 1952 entdeckte sie die musique concrète über Radiosendungen, was sie dazu inspirierte, Anfang der 1950er-Jahre ein Studio für elektronische Musik beim Dänischen Rundfunk aufzubauen. Pade verfolgte die zeitgenössischen europäischen Entwicklungen der Neuen Musik aufmerksam. Dabei waren Begegnungen mit Pierre Schaeffer, Karlheinz Stockhausen und György Ligeti prägend für ihre künstlerische Entwicklung. Ihr vielseitiges Œuvre umfasst elektronische Kompositionen ebenso wie Kammer- und Orchestermusik, Musik für Kinder, Hörspiele und Musiktheater.
Obwohl ihr Werk in der dänischen Musikgeschichtsschreibung nach den frühen 1980er-Jahren weitgehend in Vergessenheit geriet, erfährt es seit den 2000er-Jahren eine erneute Rezeption, begleitet von zahlreichen Neuaufnahmen, Remixes und Aufführungen.
Else Marie Pade, 1962; Foto: Unbekannt.
Else Marie Pade, 1962; Foto: Unbekannt.
Informationen zu Barrierefreiheit
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Ort
Die Ausstellung findet in den Ausstellungsräumen der KW (4. OG) statt. Die Ausstellungsräume sind über Treppen und einen Aufzug erreichbar. Der Zugang zum Aufzug befindet sich im Eingangsbereich im Erdgeschoss.
Zeit
Die Ausstellung öffnet pünktlich um 11:00 und schließt um 19:00. Dienstag ist geschlossen und jeden zweiten Donnerstag im Monat ist bis 21:00 geöffnet.
In der Ausstellung werden ca. 15 Werke gezeigt.
Die Dauer der des Ausstellungsbesuches ist individuell bestimmbar. Das Betrachten aller Werke würde in Gänze ca. 3 Stunde dauern.
Die gesamte Dauer aller Audio-Werke beträgt ca. 3 Stunden.
Das längste Audio dauert 35 Minuten.
Sitzmöglichkeiten
Eine begrenzte Anzahl an Sitzmöglichkeiten (Stühle mit Rückenlehne, Hocker ohne Rückenlehne, Bänke ohne Rückenlehne, Sitzsäcke, Kissen) wird zur Verfügung gestellt.
In der Ausstellung integrierte Sitzmöglichkeiten: runde Stühle (ohne Rückenlehne) in verschiedenen Größen. Die Stühle können um ihre eigene Achse drehen.
Sensorische Stimuli
Die Ausstellung hat eine tendenziell hohe Lautstärke.
Der Ausstellungsraum ist abgedunkelt.
Die Ausstellung ist immersiv.
Der Ausstellungsraum ist weitläufig.
Vor Ort werden Ohrstöpsel auf Nachfrage zur Verfügung gestellt.
Sprache
Die Ausstellungstexte sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar.
Die Texte zu unseren Ausstellungen sind auch in Einfacher Sprache vor Ort und online verfügbar.
Begleitung und Unterstützung
Begleitpersonen können kostenfrei an der Veranstaltung teilnehmen.
Begleitungen
Zu der Ausstellung können Assistenzhunde mitgebracht werden.
Ansprechpersonen
Bei weiteren Fragen zur Barrierefreiheit wenden Sie sich bitte per E-Mail an mediation@kw-berlin.de.
Bei Fragen oder für Unterstützung vor Ort wenden Sie sich bitte an das Einlasspersonal.
Möbeldesign: NAKWORKS, Sound design: Paolo Combes