Jean Katambayi Mukendi
RATIO
„Eine ratio [Verhältnis] beschreibt die Beziehung zweier Elemente zueinander. Heute sind viele Arten von Beziehungen im Spiel. Wir können über die Beziehungen zwischen Norden und Süden sprechen, über wirtschaftliche Beziehungen, über Machtverhältnisse, aber möglicherweise auch über Unterstützung – die Beziehung von Rückhalt oder Fürsorge.“
In RATIO hinterfragt der kongolesische Künstler Jean Katambayi Mukendi (* 1974, DRK) die Dualitäten, die unsere Welt formen – das Natürliche und das Künstliche, Wachstum und Zerstörung, gewollte und ausgesonderte Materialien sowie die Beziehung von Ressourcen und Macht.
Katambayis Praxis ist geprägt von seiner Ausbildung als Elektriker und seinem anhaltenden Interesse an Ingenieurwesen und Mathematik. Sein Werk untersucht zeitgenössische technologische Entwicklungen und thematisiert zugleich die sozialen, ökonomischen und ökologischen Disbalancen, die er als Konsequenzen globaler Ungleichheiten beim Abbau von Ressourcen und der Verteilung von Macht und Energie beobachtet. Für Katambayi besteht eine direkte Korrelation zwischen der Verfügbarkeit von Energie in Form von Strom – Kupfer wird in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut und exportiert, damit andere Nationen ihre Energie transportieren können, während das Land selbst mit ständigen Stromausfällen lebt – und den breiteren geopolitischen Achsen, entlang derer Macht zwischen Ländern verteilt ist.
Die Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen in RATIO, der ersten Ausstellung des Künstlers in Deutschland, entstanden während einer Residency an den KW im Jahr 2025. Dabei verwendete er Materialien, die an verschiedenen Orten in Berlin gesammelt wurden, etwa im Lager der KW und auf den Recyclinghöfen der Stadt. Im Zentrum steht die große Skulptur mukendi kabongo Air hybird Wings RDC26FG, die von Maschinen aus der Luftfahrt, der Landwirtschaft und dem Militär inspiriert ist. Katambayi vereint und kombiniert Komponenten dieser Maschinen, um ihre Funktionen auf einfallsreiche Weise zu vervielfachen, und erforscht so das ökologische Potenzial von Technologie durch Prozesse des Recyclings und der Neunutzung.
Zwei großformatige Gemälde rahmen die Installation. Divina ähnelt der Struktur einer Leiterplatte, die für fast alle elektronischen Geräte grundlegend ist. Der Titel ist ein Anagramm von Nvidia, einem führenden US-Technologieunternehmen für KI-Computing-Hardware. Durch die Kombination technischer Schaltpläne mit spiritueller Symbolik – insbesondere der Hand im Zentrum, die auf das Göttliche verweist – lenkt das Gemälde die Aufmerksamkeit auf den Abbau von Rohstoffen wie Kupfer und Kobalt in der DRK, welche auch für die globale Elektronikproduktion unerlässlich sind. Mit Vita reflektiert Katambayi den sozialen Bruch, der durch den Wettbewerb um natürliche Ressourcen und Lebenssysteme innerhalb einer kapitalistischen Ordnung geprägt ist, die um ihr Gleichgewicht ringt. Die Arbeit ruft tektonische, florale und tierische Illusionen hervor und deutet damit auf die der Natur innewohnende Fähigkeit zum Ausgleich – ein von unsichtbaren Achsen bestimmtes Gefüge, das die Erde lenkt. Ausgehend von geometrischen Figuren und Linien reflektieren die zwischen den Fenstern platzierten Zeichnungen des Künstlers in spekulativer Form über menschliche Erfahrungen im Verhältnis zu Ökologie, Technologie und Ökonomie – von den Auswirkungen des Klimas auf menschliche Routinen bis hin zu Kryptowährungen.
Kuratorinnen: Emma Enderby & Linda Franken
Biografie
Jean Katambayi Mukendi (* 1974, DRK) ist ein in Lubumbashi lebender Künstler, der mit Skulptur, Malerei und Zeichnung arbeitet. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen Micki Meng Gallery, Paris (2024), Ramiken Gallery, New York (2023), Waldburger Wouters, Brüssel (2022), Kunsthalle Kohta, Helsinki (2022), sowie SALTS, Basel (2022). Seine Arbeiten waren im kongolesischen Pavillon der Venice Biennale 2024 sowie bei der Manifesta 15 Barcelona Metropolitana (2024) zu sehen und wurden in Gruppenausstellungen wie To Leave a Space in Which the Din of War Might Die Down, NS-Dokumentationszentrum, München; The Geopolitics of Infrastructure. Contemporary Perspectives, M HKA – Museum of Contemporary Art Antwerp, The Gatherers, MoMA PS1, New York (alle 2025) sowie Energies, Swiss Institute, New York (2024), präsentiert. Katambayi ist Mitglied von Picha, einem von Künstler*innen betriebenen Verein, der die Lubumbashi Biennale organisiert.
Jean Katambayi Mukendi, 2025; Foto: David von Becker.
Jean Katambayi Mukendi, Artist residency für RATIO in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025. Foto: David von Becker.
Jean Katambayi Mukendi – RATIO, KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2026. Videografie: Marcus Werner mit Unterstützung von Stefan Hähnel.
KW Malbuch
Diesen Frühling erhalten alle Kinder, die unsere Ausstellungen besuchen, kostenlos ein Malbuch in limitierter Auflage mit einer Auswahl an Zeichnungen von Jean Katambayi Mukendi. Die erste Ausgabe unserer KW Malbuch Collection! Die Publikation ist auch in unserem Bookshop erhältlich.
KW Malbuch, Jean Katambayi Mukendi, 2026. Foto: KW Institute for Contemporary Art.
KW Malbuch, Jean Katambayi Mukendi, 2026. Foto: KW Institute for Contemporary Art.
Informationen zu Barrierefreiheit
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Ort
Die Ausstellung findet in den Ausstellungsräumen der KW (3. OG) statt. Die Ausstellungsräume sind über Treppen und einen Aufzug erreichbar. Der Zugang zum Aufzug befindet sich im Eingangsbereich im Erdgeschoss.
Zeit
Die Ausstellung öffnet pünktlich um 11:00 und schließt um 19:00. Dienstag ist geschlossen und jeden zweiten Donnerstag im Monat ist bis 21:00 geöffnet.
In der Ausstellung werden ca. 17 Werke gezeigt.
Die Dauer der des Ausstellungsbesuches ist individuell bestimmbar. Das Betrachten aller Werke würde in Gänze ca. 30 Minuten dauern.
Sitzmöglichkeiten
Sitzmöglichkeiten (Hocker ohne Rückenlehne, Bänke ohne Rückenlehne) werden auf Nachfrage zur Verfügung gestellt. Sollten Sie eine Sitzmöglichkeit wünschen wenden Sie sich bitte an unsere Mitarbeitenden vor Ort.
Sensorische Stimuli
Der Ausstellungsraum ist hell.
Sprache
Die Ausstellungstexte sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar.
Die Texte zu unseren Ausstellungen sind auch in Einfacher Sprache vor Ort und online verfügbar.
Begleitung und Unterstützung
Begleitpersonen können kostenfrei an der Veranstaltung teilnehmen.
Begleitungen
Zu der Ausstellung können Assistenzhunde mitgebracht werden.
Ansprechpersonen
Bei weiteren Fragen zur Barrierefreiheit wenden Sie sich bitte per E-Mail an mediation@kw-berlin.de.
Bei Fragen oder für Unterstützung vor Ort wenden Sie sich bitte an das Einlasspersonal.
Dank an Micki Meng, Ramiken, und Wouters Gallery.
Medienpartner