Installationsansicht der Ausstellung Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2022: Kameelah Janan Rasheed – in the coherence, we weep in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2023; Alle Werke: Courtesy die Künstlerin und NOME Gallery, Berlin. Foto: Frank Sperling.
Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2022: Kameelah Janan Rasheed
in the coherence, we weep
Kameelah Janan Rasheed (*1985, USA) ist Preisträgerin des Preises für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2022, der gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt verliehen wird.
Rasheeds Arbeiten beschäftigen sich mit der Materialität und Lesbarkeit von Text, Schrift und Sprache sowie mit den Möglichkeiten der intermedialen Übersetzung. Ihre künstlerische Arbeit stützt sich auf verschiedene Denkansätze aus Wissenschaft, Literatur, Philosophie, Religion und kritischer Theorie, ohne dass es zwischen diesen eine erkenntnistheoretische Hierarchie gäbe. Die Infragestellung dieser Denkansätze und ihres eigenen Wissens ist die treibende Kraft für Rasheed und ihr Schaffen. Die in Brooklyn lebende Künstlerin und Lernende versammelt in ihren Arbeiten verschiedenste Textausschnitte und ordnet sie wie beim Layout eines Buches an. Buchstaben sind für sie eigenständige Wesen mit einer eigenen Geschichte, Bedürfnissen und einem Innenleben, und sie integriert diese in ihre Schriften, kommentiert sie, montiert sie und klebt sie an Wände. Auf diese Weise überbrückt Rasheed die Kluft zwischen Politik und Poesie und versucht, Verbindungen und Bruchstellen auszumachen.
in the coherence, we weep ist sowohl ein Künstlerinnenbuch als auch eine Ausstellung. Das Projekt befasst sich mit dem kritischen Potenzial von Inkohärenzen. Es ist ein Versuch, Methoden medienübergreifend darzustellen und dabei Störungen zuzulassen, die Momente der kritischen Selbstreflexion und Wissensproduktion ermöglichen. Das Buch und die Ausstellung wurden parallel entwickelt und reflektieren sich kritisch gegenseitig, wobei ihre Entstehung und ihre Form sich ineinander verschränken und miteinander verschwimmen. Das Buch ist sozusagen die Partitur und die Ausstellung eine Aufführung dieser. Indem sie Rasheeds bestehende Arbeiten und wichtige neue Auftragsarbeiten miteinander verknüpft, erforscht die Ausstellung die Geschichte von Schwarzer Improvisation, Spiel und experimenteller Poetik. Sie untersucht Strategien, um Text in verschiedenen architektonischen Kontexten lebendig und dynamisch zu gestalten sowie Strategien, die im Familienarchiv der Künstlerin zum Einsatz kommen. Dabei wird besonderes Augenmerk auf das Kommentieren, Korrigieren, Indexikalität, Unschärfe und das Lernen durch Lesen und Schreiben gelegt.
Außerdem setzte sich Rasheed mit der Umgebung der KW auseinander, z. B. anhand von Selling My Black Rage to the Highest Bidder (2019) in der Eingangspassage der KW und durch eine Neugestaltung der Fahnen an der Fassade des Gebäudes mit der Arbeit How to Suffer Politely (and Other Etiquette) (2014–).
Kuratorin: Sofie Krogh Christensen
Assistenzkuratorin: Linda Franken
KW Studio über die Ausstellung: in the coherence, we weep mit Kameelah Janan Rasheed, Sofie Krogh Christensen und Christina Landbrecht. Produktion: LOCOLOR, Realisation & Producer: Gregor Kuhlmann, Kamera & Ton: Gregor Kuhlmann, Adrian Nehm, Editing & Color Grading: Lia Valero. Eine Produktion der KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2023.
Einblicke in die Ausstellung Kameelah Janan Rasheed – in the coherence, we weep in deutscher Gebärdensprache. Konzept, Darsteller und Schnitt: Projektbüro Andreas Döltgen, Kamera: Frank Sperling. Courtesy KW Institute for Contemporary Art, Berlin, 2023.
Kuratorische Einführung
Kameelah Janan Rasheed (*1985, USA) ist Preisträgerin des Preis für künstlerische Forschung 2022 der Schering Stiftung, der gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt verliehen wird.
Rasheeds Arbeiten beschäftigen sich mit der Materialität und Lesbarkeit von Text, Schrift und Sprache sowie mit den Möglichkeiten der intermedialen Übersetzung. Ihre künstlerische Arbeit stützt sich auf verschiedene Denkansätze aus Wissenschaft, Literatur, Philosophie, Religion und kritischer Theorie, ohne dass es zwischen diesen eine erkenntnistheoretische Hierarchie gäbe.
Biografie
Kameelah Janan Rasheed wurde in East Palo Alto, Kalifornien, geboren und lebt und arbeitet in Brooklyn, NY. Sie hat an der Stanford University (2008) einen Master in Sozialkunde für die Sekundarstufe und am Pomona College (2006) einen Bachelor in Public Policy erworben. Außerdem war sie Amy-Biehl-US-Fulbright-Stipendiatin an der University of the Witwatersrand, Südafrika (2006–2007). Rasheed beschäftigt sich mit der Poetik, dem Glück und der Politik Schwarzer Wissensproduktion, mit Informationstechnologien, dem [Ver ]Lernen und der Entstehung von Überzeugungen. Zuletzt erhielt sie den Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung (2022), den Creative Capital Award (2022), den Betty Parsons Fellow-Artists2Artists Art Matters Award (2022), ein Artists + Machine Intelligence Grant – Experiments with Google (2022) und ein Guggenheim Forschungsstipendium in FineArts (2021). Rasheed ist Autorin von vier Künstlerbüchern: i am not done yet (Mousse Publishing, 2022); An Alphabetical Accumulation of Approximate Observations (Endless Editions, 2019); No New Theories (Printed Matter, 2019) und der digitalen Veröffentlichung Scoring the Stacks (Brooklyn Public Library, 2021). Ihre Texte sind in Triple Canopy, New Inquiry, Shift Space, Active Cultures und im Believer erschienen. Rasheed ist außerdem Gründerin von Mapping the Spirit, einem digitalen Archiv, das dokumentiert, wie Schwarzer Glaube lebt, sich wandelt und selbst erneuert.
Kameelah Janan Rasheed, Borges, Musa, and Khidr, 2019, Archiv Inkjet–Print,101 x 76 cm. Courtesy Rasheed und NOME Gallery.
Kameelah Janan Rasheed, Borges, Musa, and Khidr, 2019, Archiv Inkjet–Print,101 x 76 cm. Courtesy Rasheed und NOME Gallery.
Der Preis für künstlerische Forschung ist aus dem Kunstpreis der Schering Stiftung hervorgegangen, der von 2005 bis 2018 alle zwei Jahre an internationale Künstler*innen vergeben wurde.
2019 wurde der Preis in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt neu konzipiert. Im Jahr 2022 wurde der Preis für künstlerische Forschung bereits zum siebten Mal in Kooperation mit den KW Institute for Contemporary Art verliehen.