Video Still aus Revolutionary Girl Utena, Episode 22. Nemuro Memorial Hall. Credit Be-Papas.
Pogo Bar:
Lauryn Youden
you’re seeping into my bloodstream
Datum
Do, 14.12.23
Uhrzeit
21:00
Sprache
en
you’re seeping into my bloodstream ist eine einstündige Gedichtlesung über krankhafte Formen des Liebens. In dem als performativem Vortrag und autotheoretischem Essay präsentierten Text wird die Liebe auf ihre vampirischen Tendenzen zum persönlichen Selbsterhalt untersucht. Die Performance ist Teil von Youdens fortlaufender Auseinandersetzung mit chronischer Krankheit als Nahtod-Erfahrung, oder als „Zeit des ‚Nicht-Todes'“. Der von der Gruppo Di Nun im Buch Revolutionary Demonology geprägte Begriff „Zeit des ‚Nicht-Todes’“ spricht von der „geheimnisvollen Präsenz von Abwesenheit – einer Welt, die von unpersönlichen Kräften und Entitäten bevölkert wird, welche zwar nicht lebendig sind, aber auch nicht als tot bezeichnet werden können“. Für Youden ist der Begriff untrennbar mit dem Kanon der lesbischen Vampirliteratur und ihren Metaphern für Behinderung, Krankheit und queerer Crip-Lust verbunden. In diesem Reich der Untoten leben die furchterregenden Engel von Rainer Maria Rilke neben tragischen Heldinnen aus metafiktionalen K-Dramen, durchleben Psycho-Thriller-Bimbo-Komödien und sitzen bei so manchem BPD-Girl-Dinner. Durch Youdens persönliche Schilderungen von Krankheit, Verliebtheit und unsterblicher Andersartigkeit verwebt sie generationenübergreifend Fakten und Fiktion und bezieht sich dabei auf Formen der Crip-Kollektivität, sowie deren unterweltliche Netzwerke der Fürsorge.
Lauryn Youden (* 1989, Kanada) ist eine in Berlin lebende Dichterin, Performance- und Installationskünstlerin. Ihre Arbeit ist basiert auf ihren Auseinandersetzung mit dem medizinisch-industriellen Komplex sowie der Kolonial- und traditionellen Medizin zur Behandlung ihrer chronischen Krankheiten und Behinderung. Indem sie die Aufarbeitung dieser Geschichten und ihren persönlichen Erfahrungen damit öffentlich präsentiert, beleuchtet und betont ihr Werk unterdrückte, marginalisierte und vergessene Formen radikaler Pflege und Crip-Wissensformen.
Sie ist international in verschiedenen Institutionen aufgetreten und hat ausgestellt, darunter (Auswahl): Stedelijk Museum, Amsterdam (NL), Museion Bolzano (IT), Tabakalera, San Sebastian (ES), Aargauer Kunsthaus, Aarau (CH), Frye Art Museum, Seattle (US), Laumeier Sculpture Park, St. Louis (USA), 11. Berlin Biennale, Berlin (DE), Manifesta 12, Palermo (IT), Shedhalle, Zürich (CH), Württembergischer Kunstverein, Stuttgart (DE), Volksbühne, Berlin (DE), Musik Installationen Nürnberg (DE) und Künstlerhaus Bethanien, Berlin (DE). In diesem Jahr waren ihre Arbeiten in Ausstellungen im Migros Museum, Zürich (CH), im E-WERK Luckenwalde (DE), in der Kunsthalle Zürich (CH) und im Rochester Art Center (USA) zu sehen, und derzeit ist sie im E-WERK Luckenwalde zu Gast.