Jahresprogramm 2020

 

 

Bild: Leonilson, Inflammable, ca. 1990, Zeichnung, Tusche auf Papier, 17 x 9,5 cm, Foto: Courtesy Eduardo Ortega / Projeto Leonilson

 

 

KW Institute for Contemporary Art kündigen Jahresprogramm 2020 an

 

Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, ihr Jahresprogramm 2020 bekanntzugeben. Als Fortsetzung des Programms 2019, das unter dem Einfluss des Surrealismus den Körper als Ort im Zusammenhang mit seiner Umgebung erforschte, wird der programmatische Fokus 2020 verstärkt auf die Repräsentation von Biografien und deren Ver- und Entwurzelung gelegt. Im Mittelpunkt stehen die Arbeiten von Hassan Sharif, Amelie von Wulffen und Leonilson.

Pause: Broken Sounds /
Remote Music—
Prepared Pianos from the
Archivio Conz Collection

 

16.–19. Januar 2020 

Eröffnung: 15. Januar 2020, 19 Uhr 

Kurator*innen: Gigiotto Del Vecchio, Stefania Palumbo

 

In Zusammenarbeit mit den KW präsentiert das Archivio Conz 20 präparierte Klaviere von Künstler*innen wie Ay-O, Dorothy Iannone, Carolee Schneemann, Nam June Paik und Ben Patterson aus der Sammlung von Francesco Conz (1935–2010). Die fünftägige Veranstaltung schafft einen poetischen Raum, in dem Performances von Charlemagne Palestine, Phillipp Sollman & Konrad Sprenger, Angharad Williams, Skywalking, Nina Kurtela und weiteren Künstler*innen stattfinden werden.

 

Francesco Conz’ Klaviersammlung umfasst mehr als 65 Objekte, die von ihm in Auftrag gegeben wurden, um die Ende der 1930er Jahre von John Cage initiierte Tradition des präparierten Klaviers fortzuführen. Die Klaviere wurden im Laufe der Jahre von verschiedenen Avantgarden bearbeitet, darunter von Künstler*innen, die Conz zeit seines Lebens begleiteten. Conz war im Laufe seiner über dreißig Jahre währenden Sammlertätigkeit stets mehr als ein Sammler, arbeitete er doch eng mit Künstler*innen der wichtigsten avantgardistischen Bewegungen seiner Zeit zusammen wie dem Fluxus, Wiener Aktionismus, Zaj, Lettrismus, der Konkreten Poesie, Visuellen Poesie, Lautpoesie und Gorgona. Seine Sammlung, die sich gegenwärtig in Berlin befindet, umfasst 3000 Sammlungsstücke von über 150 Künstler*innen, darunter Kunstwerke, Dokumente, Editionen und persönliche Gegenstände.

Hassan Sharif
I Am The Single Work Artist

 

29. Februar – 3. Mai 2020

Eröffnung: 28. Februar 2020, 19 Uhr

Kurator*innen: Hoor Al Qasimi, Krist Gruijthuijsen

 

Im Frühjahr 2020 präsentieren die KW die erste umfassende Retrospektive des aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) stammenden Künstlers Hassan Sharif (1951–2016) in Europa. Sharif gehört zu den einflussreichsten Künstler*innen des 20. Jahrhunderts im Nahen und Mittleren Osten, wo er als Vorreiter im Bereich der Konzeptkunst gilt, deren Vertreter*innen tradierte Vorstellungen von Raum, Zeit, Form und sozialer Interaktion neu dachten. 

 

Hassan Sharif, der an der Byam Shaw School of Art in London studierte, kehrte nach seinem Abschluss 1984 in die Vereinigten Arabischen Emirate zurück und realisierte in Schardscha erstmals Interventionen sowie Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, die die dortige Künstler*innenszene mit Konzeptkunst und Fluxus-Praxis in Berührung brachte. In verschiedenen Rollen als Künstler, Vermittler, Kritiker und Autor suchte Sharif ein Publikum für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst zu gewinnen – nicht nur mit seinen Ausstellungen, sondern auch mit historischen Kunsttexten und Manifesten, die er ins Arabische übertrug.

 

Die Retrospektive in den KW markiert Sharifs lange und wechselvolle Beziehung zum Emirat Schardscha und ist in enger Zusammenarbeit mit der Sharjah Art Foundation entstanden, wo die Ausstellung 2018 erstmals präsentiert wurde. Im Anschluss werden die rund 150 Arbeiten, darunter Installationen, Zeichnungen, Malereien und Assemblagen, in der Malmö Konsthall (SE) gezeigt.

Kris Lemsalu Malone &
Kyp Malone Lemsalu
Love Song Sing-Along

 

29. Februar – 3. Mai 2020
Eröffnung: 28. Februar 2020, 19 Uhr
Kuratorin: Cathrin Mayer


 

Die estnische Künstlerin Kris Lemsalu (*1985, EE) schafft Skulpturen, Installationen und Performances, in denen scheinbar widerstreitende Dualitäten miteinander verschmelzen – das Tierreich mit der Menschheit, die Natur mit dem Künstlichen, das Schöne mit dem Abstoßenden, Leichtigkeit mit Schwere und das Leben mit dem Tod. Aus Tierkörpern, Porzellan und in der Natur vorgefundenen Materialien wie Fell, Leder, Muscheln, Wolle und Papier entstehen theatralische Installationen, die die Betrachter*innen in eine irrationale Fantasiewelt entführen. Lemsalus Installationen dienen als Bühne für Performances, in denen die Künstlerin eins wird mit ihren Skulpturen und jegliche Grenzen zwischen Subjekt und Objekt verschwinden. Erinnerungen an mythologische Erzählungen werden in Lemsalus Arbeiten in die Oberfläche der Objekte – die Artefakten oder Nebenprodukten moderner Zivilisation gleichen – eingeschrieben.

 

Seit der Performa 17 arbeitet Kris Lemsalu mit dem in New York lebenden Künstler und Multi-Instrumentalisten Kyp Malone (*1973, US) zusammen, um erweiterte Installationen und Performances mit Skulptur, Keramik, Animation, performativen Elementen sowie Musik und Klang zu schaffen. In ihrer neuen, eigens für die KW konzipierten Arbeit entwickelt das inzwischen verheiratete Duo eine groß angelegte Installation, die das gesamte dritte Obergeschoss einnehmen wird. Als Bühne für verschiedene Performances werden die Grenzen zwischen Objekten, Körpern und Handlungen verschwimmen und ein lebendiges Raumkontinuum entsteht.

Mophradat’s Consortium
Commissions:
Jasmina Metwaly &
Yazan Khalili

 

14. März – 19. April 2020
Eröffnung: 13. März 2020, 19 Uhr 
Kurator: Tirdad Zolghadr

 

Als wegweisendes Modell zur Förderung progressiver Auftragsarbeiten stehen die Consortium Commissions für Mophradats innovativen Ansatz zur Unterstützung von Künstler*innen im gesamten arabischen Raum. Im Rahmen der ersten Ausgabe präsentieren die KW in Zusammenarbeit mit Mophradat im Frühjahr 2020 zwei Einzelausstellungen der Künstler*innen Jasmina Metwaly (*1982, PL) und Yazan Khalili (*1981, SY).

 

Jasmina Metwaly beschäftigt sich in der mit textilen Komponenten durchsetzten Dreikanal-Videoinstallation Anbar (2019) mit der Semantik von Militäruniformen nach der ägyptischen Revolution 2011. Die Arbeit kreist um drei Figuren – einen ehemaligen Soldaten, einen Schneider sowie einen Aktivisten und Filmemacher – die jeweils auf ihre eigene Weise mit dem ägyptischen Militär verbunden sind.

 

Yazan Khalilis Videoinstallation Medusa (2020) basiert auf der langjährigen Auseinandersetzung des Künstlers mit digitalen Archivierungsverfahren in Zeiten politischer Unruhen. Khalili thematisiert hier die zunehmende Verbreitung von Gesichtserkennungssoftware; das menschliche Gesicht als elementares Erkennungsmerkmal ruft dabei bekannte dystopische Erzählfiguren und Szenarien auf. Technologie ist jedoch vom Menschen mit all seinen Schwächen geschaffen und „denkende“ Technologie daher auf die emanzipatorische Kraft menschlicher Vorstellung angewiesen.

 

Das Begleitprogramm von Mophradat’s Consortium Commissions wird die Auseinandersetzung mit Metwalys und Khalilis kollektiven Praktiken weiterführen. Metwaly ist für ihre Zusammenarbeit mit dem Kairoer Videokollektiv Mosireen bekannt, während Khalili das Khalil Sakakini Cultural Center, eine Non-Profit-Organisation in Ramallah, leitet.

Pause:
Kunsthalle for Music

 

  1. 30. April – 3. Mai 2020

Eröffnung: 30. April 2020, 19 Uhr

Kurator: Krist Gruijthuijsen

 

Die Kunsthalle for Music wurde von Ari Benjamin Meyers (*1972, US) initiiert und 2018 gemeinsam mit dem Witte de With Center for Contemporary Art (NL) ins Leben gerufen. Als „wandernde“ Institution, die sich der Präsentation von Musik in Räumlichkeiten, die gemeinhin der bildenden Kunst vorbehalten sind, verschrieben hat, verwandelt die Kunsthalle for Music die Ausstellungsräume der KW in einen Ort für Live-Performances und Musik. Das eigens gebildete Ensemble wird eine Ausstellung musikalischer Werke aufführen – mit dem Ziel, die Grenzen zwischen Probe und Performance sowie Performer*innen und Publikum zu verwischen. Präsentiert wird eine Auswahl aus der „Sammlung“ der Kunsthalle for Music, die eine neue Auftragsarbeit von Karl Holmqvist und Klara Lidén, ältere Arbeiten sowie bestehende Soli, Duette und Stücke für größere Ensembles umfasst und von verschiedenen Komponist*innen und bildenden Künstler*innen stammen. Die Meta-Partitur der Ausstellung wird dabei variiert, sodass täglich neue Interpretationen entstehen und neue Erfahrungen ermöglicht werden.

 

Ari Benjamin Meyers wird darüber hinaus seine neue Performance Forecast in der Volksbühne Berlin präsentieren.  

11. Berlin Biennale
für zeitgenössische Kunst

 

exp. 1: 7. September – 9. November 2019

exp. 2: 30. November 2019 – 8. Februar 2020

exp. 3: 22. Februar – 2. Mai 2020

epilog – 11. Berlin Biennale: 13. Juni – 13. September 2020

Kurator*innen: María Berríos, Renata Cervetto, Lisette Lagnado, Agustín Pérez Rubio

 

Die Kurator*innen der 11. Berlin Biennale stellen sich die kommende Ausgabe als eine Folge gelebter Erfahrungen vor. Mit exp. 1, exp. 2 und exp. 3 entwickelt sie sich prozesshaft und unternimmt den Versuch, nachhaltige Beziehungen aufzubauen. Dabei möchte sie nicht nur von den teilnehmenden Künstler*innen und Projekten lernen, sondern auch von der Stadt Berlin und ihren Bewohner*innen. Der erste Schritt war der Einzug in das Erdgeschoss eines Eckturms auf dem ExRotaprint-Gelände in Berlin-Wedding und die Präsentation von exp. 1: Das Gerippe der Welt. Für die bevorstehende zweite Erfahrung teilen sich die brasilianische Künstlerin Virginia de Medeiros (*1973, BR) und das deutsche Kollektiv Feministische Gesundheitsrecherchegruppe (Inga Zimprich, *1979, DE /Julia Bonn, *1975, DE) die Räume bei ExRotaprint. Sie aktivieren diese, indem sie Fragen zur Sexualpolitik und Sorgearbeit des kollektiven und isolierten Körpers nachgehen. Vom 13. Juni bis zum 13. September 2020 bringt die 11. Berlin Biennale diese Erfahrungen an mehreren Ausstellungsorten in der Stadt zusammen. Mehr Information: www.11.berlinbiennale.de

KW on Location

 

Während der 11. Berlin Biennale werden die KW ihr Programm an verschiedenen Orten im Stadtraum und der Welt fortführen.

Two Years with:
School of Casablanca

 

Mai 2020 – Mai 2022

Kurator*innen: Krist Gruijthuijsen, Salma Lahlou, Inka Gressel, Alya Sebti

 

Die École Municipale des Beaux-Arts in Casablanca (MA) war eine innovative Institution, die 1950 während des Protektorats (1912–1956) von den französischen Besatzern gegründet wurde. Das gesteigerte zivilgesellschaftliche Bewusstsein in Folge der Unabhängigkeit Marokkos 1956 beeinflusste auch Künstler*innen und deren gesellschaftliche Rolle und öffentliche Sichtbarkeit. Sie wurden zu Produzent*innen sozialer und kultureller Projekte, innerhalb derer Kunst als gemeinsamer Wissens- und Erfahrungsraum begriffen wurde. Inmitten der post-kolonialen künstlerischen und kulturellen Erneuerung fanden drei Künstler – Farid Belkahia (1934–2014), Mohammed Chabâa (1935–2013) und Mohamed Melehi (*1936, MA) – an der École Municipale des Beaux-Arts zu einer Gruppe zusammen: der School of Casablanca. Später stießen Mohamed Hamidi (*1941, MA), Mustapha Hafid (*1942, MA) und Mohamed Ataallah (1939–2014) dazu.

 

Unterstützt durch den Kunsthistoriker und Anthropologen Toni Maraini (*1941, JP) sowie Bert Flint (*1931, NL), einem unermüdlichen Erforscher von Populärkunst und ländlichen Traditionen, entwickelte die School of Casablanca innovative Vermittlungs- und Ausstellungsstrategien, die das westlich-akademische Erbe ablehnte. Ihre künstlerischen wie sozialen Reformbemühungen wurden von einem interdisziplinären Bildungsprogramm begleitet, das auf einer Verzahnung theoretischen Unterrichts und formalen Experimentierens beruhte. Das Programm legte großen Wert auf das Studium und die Wiederaneignung des populären und traditionellen künstlerischen Erbes. Zuvor inexistente Inhalte fanden auf diese Weise Eingang in den Lehrplan. Das Projekt fußte auf einer Strategie kollektiver, visueller Bildung, die Kunst in Architektur und den öffentlichen Raum einbettete. Die kollektive Arbeit fand sowohl durch formelle als auch informelle Kanäle Verbreitung, ihre Rezeption beruhte vor allem auf Korrespondenz und Bekanntschaften, Begegnungen setzten neue kreative Energie frei.

 

Für die Jahre 2020–2022 haben die KW, das Goethe-Institut Marokko und die Sharjah Art Foundation ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, das um die School of Casablanca kreist. Teil dieses Projekts wird ein Researcher-in-Residence-Programm sein, das es seinen Teilnehmer*innen ermöglicht zu forschen, neue Arbeiten zu schaffen und ein öffentliches und/oder pädagogisches Programm um ihre Forschungsgegenstände herum aufzubauen. Die sechs Teilnehmer*innen des Residence-Programms sind Céline Condorelli, Fatima-Zahra Lakrissa, Marion von Osten, Bik Van der Pol, Manuel Raeder und Abdeslam Ziou Ziou.

Michele Rizzo
REACHING

 

27. und 29. Mai 2020
Kurator: Léon Kruijswijk

 

Im Mai 2020 präsentieren die KW, das Berghain und die Julia Stoschek Collection gemeinsam eine neu in Auftrag gegebene Performance des Choreographen und multidisziplinären Künstlers Michele Rizzo (*1984, IT). Rizzos Arbeiten schöpfen aus seinem Interesse für Raver*innen, Tanzkultur und die Bedeutung des Clubs als Mikrokosmos, in dem der Mensch auf seine ontologischen Eigenschaften zurückgeworfen wird: seine Beziehung zum Selbst, zum Anderen und zu Raum und Zeit.

 

In Rizzos Performances tritt der*die Raver*in als Protagonist*in, politische*r Akteur*in und Mobilisator*in des Raumes auf. Der Club wird zu einem Zufluchtsort, der es erlaubt, in ein dem Alltag diametral entgegengesetztes Kontinuum einzutreten, in dem Clubgänger*innen in einem selbstgewählten, gemeinsamen Raum aufgehen, der kodiert und undefiniert, hedonistisch, aber auch politisch ist und kathartische Erfahrungen in Form kollektiver, dynamischer Energie befördert.

Pogo Bar goes Pickle Bar:
Slavs and Tatars’ Pickle Bar

 

Sommer 2020 

Kuratorin: Kathrin Bentele

 

Im Sommer 2020 bezieht die Pogo Bar ihr temporäres Zuhause in der Pickle Bar in der Nähe des Studios des Kollektivs Slavs and Tatars. Die Pickle Bar bildet einen vorübergehenden Gemeinschaftsraum, in dem zu fermentierten Säften und mit Spirituosen versetzten Häppchen – der slavischen Variante der Aperitivo Bar – die Möglichkeiten und Grenzen der Komödie unter gegenwärtigen Vorzeichen von zunehmender kultureller und politischer Polarisierung ausgelotet werden. Slavs and Tatars laden verschiedene Komiker*innen, Satiriker*innen und Performer*innen ein, das invasive und palliative Potenzial von Sprache auszuloten und fragen, inwiefern Humor als eine Form von Verschlüsselung dienen kann, um komplexe Botschaften zu vermitteln, die ansonsten als beängstigend, fremdartig oder unsachlich wahrgenommen würden. Wie die Fermentierung ein zweischneidiges Schwert ist – zwischen Verdauungsanregung, Gärung und Verrottung – verschiebt auch die Komödie sanft, bisweilen sogar vehement, die Grenzen von gesellschaftlichen Handlungsräumen. 

 

Im Herbst kehrt die Pogo Bar wieder zurück in das Kellergewölbe der KW, wo in den ehemaligen Räumlichkeiten der gleichnamigen Bar aus den späten 1990er und frühen 2000er Jahren seit 2017 ein regelmäßig stattfindendes Programm mit wechselnden Performances, Lesungen, Interventionen, Filmvorführungen und Gesprächen stattfindet.

KW Production Series 2020:
Onyeka Igwe & Lin+Lam

 

Herbst 2020
Kurator*in: Mason Leaver-Yap

 

Die KW Production Series widmen sich in ihrer dritten und letzten Ausgabe der Londoner Künstlerin und Forscherin Onyeka Igwe und dem New Yorker Duo Lin+Lam, bestehend aus Lana Lin und H. Lan Thao Lam. Während Igwe den physischen Körper und geographischen Raum als Ort kultureller und politischer Bedeutungsproduktion erforscht, nutzen Lin+Lam ihre Erfahrungen aus Architektur, Fotografie, Skulptur, Installation und zeitbasierter Medienkunst zur Auseinandersetzung mit von vergangenen politischen Narrativen geprägten Ereignissen. Die sich in der Entwicklung befindenden zwei neuen Videoarbeiten werden im Herbst 2020 präsentiert.

 

In Zusammenarbeit mit der Julia Stoschek Collection und OUTSET Germany_Switzerland widmen sich die KW Production Series anhand zweier Neuproduktionen pro Jahr dem künstlerischen Bewegtbild. Das Projekt ist inspiriert von den Gründungsprinzipien der KW als einem Ort für Produktion, Reflexion und kritischen Austausch. Die KW Production Series setzen sich zum Ziel, ausgewählte Künstler*innen zu unterstützen, deren Arbeit und Karriere sich vor einem wegweisenden Durchbruch befinden und die nicht nur von der finanziellen Unterstützung und dem institutionellen Renommee profitieren, sondern dieses Format auch nutzen, um den Tiefe- und Schärfegrad ihrer künstlerischen Arbeit maßgeblich und nachhaltig zu modifizieren. Künstler*innen bisheriger Produktionen waren: Andrea Büttner, What is so terrible about craft? / Die Produkte der menschlichen Hand, 2019; Rachel O’Reilly, INFRACTIONS, 2019; Jamie Crewe, Pastoral Drama, 2018; Beatrice Gibson, I Hope I’m Loud When I’m Dead, 2018.

Pause: The Noa Eshkol
Chamber Dance Group

 

25.–27. September 2020

Kurator: Krist Gruijthuijsen

 

In den 1950er Jahren entwickelte die Tänzerin Noa Eshkol (1924–2007) gemeinsam mit dem Architekten Avraham Wachman (1931–2010) die Eshkol-Wachman Movement Notation (EWMN) – ein System, das Körperbewegungen in Linien, Zahlen und Symbole überführt und in einer Rasterstruktur aufzeichnet. Noa Eshkol wurde 1924 in Kibbuz Degania Bet in Palästina geboren. Eshkol studierte Klavier bei dem Musiker Frank Peleg, der ihr die Rolle der Notation in der Musik beibrachte. Von 1943 bis 1945 besuchte sie die Tille Rössler (Tehila Ressler) Schule in Tel Aviv, wo sie Tanz und Bewegung studierte. In dieser Zeit begann Eshkol für sich zu beanspruchen, dass der Tanz analog zur Musiknotation eine eigene Notation benötigt, um reichhaltige und komplexe Kompositionen und Bewegungskombinationen zu entwickeln und zu entdecken. 1954 wurde die Chamber Dance Group, ursprünglich als Chamber Dance Quartet bekannt, von Noa Eshkol mit dem Ziel gegründet, ihre durch die EWMN entwickelten Kompositionen aufzuführen.

 

Ausgangspunkt aller Tanzperformances der Chamber Dance Group war der elementarste Bestandteil aller Tanzstile – die Bewegung des menschlichen Körpers. Eshkol begriff den Tanz als reine Kunstform, die für sich selbst steht und daher ohne Kulissen, Kostüme oder Musik auskommt. Sie betrachtete Körperteile als Instrumente, ähnlich jenen eines Orchesters, für deren Bewegung sie jeweils eigene Regeln aufstellte. Ihre Kompositionen beruhen auf dem Prinzip der Serialität, der Mehrstimmigkeit des Kanons, der Fuge und Ähnlichem. Auf Grundlage dieser Elemente schuf Eshkol Polyphonien, sowohl zwischen den Körperteilen jedes*r einzelnen Tänzers*in als auch innerhalb der Tänzer*innen als Gruppe.

 

Noa Eshkol trat bis in die späten 1950er Jahre mit der Gruppe auf, konzentrierte sich indes später vermehrt auf die Entwicklung von EWMN und das Komponieren und die Vermittlung ihrer Tänze. Nach ihrem Tod im Jahr 2007 wurde die Gruppe in The Noa Eshkol Chamber Dance Group umbenannt und besteht seither aus den langjährigen Mitgliedern Racheli Nul-Kahana und Ruth Sela sowie den neu zur Gruppe hinzugestoßenen Tänzer*innen Mor Bashan, Noga Goral und Dror Shoval.

Amelie von Wulffen

 

17. Oktober 2020 – 10. Januar 2021
Eröffnung: 16. Oktober 2020, 19 Uhr
Kuratorin: Anna Gritz

 

Mit der Einzelausstellung von Amelie von Wulffen (* 1966, DE) widmen sich die KW einer Berliner Künstlerin, die sich international als eine der wichtigsten deutschen Malerinnen etabliert hat. Ungeachtet ihrer fortwährenden internationalen Präsenz stellt die Ausstellung in den KW die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin mit umfassenden Neuproduktionen dar. Amelie von Wulffen hat seit den 1990er Jahren eine höchst eigenständige künstlerische Praxis entwickelt und ein komplexes und produktives Werk geschaffen, das immer wieder aufs Neue die Frage nach den sozialen, ökonomischen und politischen Bedingungen von Malerei stellt. Ihre konsequent selbstreflexive Praxis bezieht sich nicht nur auf das Genre der Malerei und dessen Handlungsraum – dessen altehrwürdige Vormachtstellung immer wieder durch seine Totsagung in Frage gestellt wird –, sondern erstreckt sich auf die Figur der Künstlerin selbst. Von Wulffens Arbeiten suchen oft die Aufarbeitung des deutschen Nachkriegserbes, sowohl des familiären, nationalen als auch des künstlerischen und eignen sich Stereotype verschiedenster Malstile an, um sie im selben Bild miteinander kontrastieren zu lassen – eine ebenso ironisch-humorvolle Geste wie eine Meta-Reflexion der ästhetischen Widersprüche Nachkriegsdeutschlands und gegenwärtiger Pop- und Politkultur. Amelie von Wulffen präsentiert in den KW einen neuen Malereizyklus, eingerahmt von einer ortsspezifischen Installation, die unter anderem die Neuproduktion eines Comics sowie neue Keramiken beherbergen wird. Begleitet werden diese von ausgewählten, bereits existierenden Malereien, Zeichnungen, Möbeln, Skulpturen und Filmen.

Leonilson
Drawn: 1975–1993

 

17. Oktober 2020 – 10. Januar 2021

Eröffnung: 16. Oktober 2020, 19 Uhr

Kurator: Krist Gruijthuijsen

 

Der brasilianische Künstler José Leonilson (1957–1993) genießt einen legendären Ruf in seiner Heimat. Anerkennung findet dabei vor allem die poetische Kraft seines Werkes in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche. Bekanntheit erlangte Leonilson als Teil der sogenannten Geração 80, einer Generation brasilianischer Künstler*innen, deren Werk von der Ablehnung der Paradigmen der Konzeptkunst der 1970er Jahre und einer Hinwendung zur Subjektivität geprägt war. Die neu gewonnene Freiheit nach dem Ende der Diktatur führte dabei zur Wiederentdeckung einer „Freude am Malen“. Gegenüber anderen Vertreter*innen seiner Generation besticht Leonilsons unverkennbar persönliches Werk vor allem durch seine Betonung von Emotion, Innerlichkeit und das Interesse am menschlichen Körper. In den nur zehn Jahren seiner kurzen Karriere schuf Leonilson ein umfangreiches Œuvre.

 

Die KW präsentieren die erste Retrospektive des Künstlers in Europa und bieten damit einen Überblick über sein gesamtes künstlerisches Schaffen. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 250 Arbeiten mannigfaltiger Medien und Stile, von frühen Malereien bis hin zu den introspektiven Stickereien, denen er sich nach seiner AIDS-Erkrankung in den letzten Jahren seines Lebens zuwandte.

Pressekontakt

 

Karoline Köber

Tel. +49 30 243459 41

press@kw-berlin.de

 

KW Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69

10117 Berlin

www.kw-berlin.de

 

Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird ermöglicht durch die Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Die Ausstellungen und Projekte im Rahmen des Programms 2020 entstehen in Zusammenarbeit mit und/oder mit Unterstützung von: