Jahresprogramm 2023

 

Martin Wong, Tell My Troubles to the Eight Ball (Eureka), 1978–81. Courtesy of the Martin Wong Foundation und P.P.O.W, New York © Martin Wong Foundation

 

 

Die KW Institute for Contemporary Art kündigen ihr Jahresprogramm 2023 an, mit Ausstellungen von Martin Wong, Enrico David, Coco Fusco, Win McCarthy, Karen Lamassonne, Emily Wardill, Hervé Guibert und Kameelah Janan Rasheed sowie mit Projekten von Alexis Blake, der Noa Eshkol Chamber Dance Group und der Metabolic Museum-University.

Pause: Alexis Blake
Crack Nerve Boogie Swerve

 

27.–29. Januar 2023

Kurator: Léon Kruijswijk

Kuratorische Assistenz: Lara Scherrieble

 

Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die Performance Crack Nerve Boogie Swerve der Künstlerin Alexis Blake (*1981, US, lebt in NL) zu präsentieren. In ihrer multidisziplinären Praxis verbindet Blake bildende Kunst, Tanz und Performance miteinander. Sie begreift den Körper als Archiv verkörperten Wissens und beschäftigt sich mit der Repräsentation von Frauenkörpern, die sie kritisch untersucht, hinterfragt, aufbricht und neu verhandelt.

 

Blake konzipierte Crack Nerve Boogie Swerve bereits 2019 und entwickelt ihr Stück für dessen erste Präsentation in Deutschland nun weiter. Sie erkundet darin Vorstellungen von Transparenz, Widerstand, Resonanz und Zerbrechlichkeit in Bezug auf Normen, Zwänge und Unterdrückung. In einer Installation aus Glas und Stahl und mit Hilfe von Klang, Stimme und Körper untersucht sie die Bedeutung und den Akt des Zerbrechens. Das Glas übernimmt eine darstellende Rolle und wird zur Metapher für den individuellen und kollektiven Körper, der zwar fragil, aber auch belastbar ist – je nachdem, wie er gehandhabt oder behandelt wird. Sein Zustand pendelt fortwährend zwischen sichtbar und unsichtbar, klar und opak.

 

Die in Berlin verwurzelte Crew besteht aus einer Perkussionistin, zwei Sound-Künstler*innen und sechs Performer*innen mit unterschiedlichen Hintergründen – Breakdance, Hip-Hop, House, Waving, Afro-Fusion, Contemporary und Ballett. In der Choreographie versuchen die Künstler*innen sich nicht die Klang- und Körpersprache der anderen anzueignen. Vielmehr verwenden sie das Glas als Werkzeug, um miteinander zu kommunizieren, Muster zu durchbrechen und gemeinsam ein neues Klang- und Bewegungsvokabular zu entwickeln, ohne dabei die eigene Subjektivität zu verlieren.

 

Crack Nerve Boogie Swerve ist Teil des Eröffnungswochenendes des CTM 2023. Der Sound der Arbeit wird in Zusammenarbeit mit dem CTM produziert. Die Performance wird vom Mondriaan Fonds und der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Deutschland großzügig unterstützt und mit der Unterstützung von Callie’s produziert.

Martin Wong
Malicious Mischief

 

  1. 25. Februar – 14. Mai 2023

Kuratoren: Krist Gruijthuijsen, Agustín Pérez Rubio

Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen

 

Die KW Institute for Contemporary Art präsentieren die erste umfassende Werkschau des US-amerikanisch-chinesischen Künstlers Martin Wong (*1946, Portland, US – † 1999, San Francisco, US) in Europa.

 

Bekannt wurde Martin Wong mit seinen Darstellungen sozialer, sexueller und politischer Szenen in den USA der 1970er, 1980er und 1990er Jahre. Er verwob Erzählungen über queere Existenz, marginalisierte Communities und Gentrifizierung auf poetische Weise miteinander und gilt als wichtige gegenkulturelle Stimme zum reaktionären Diskurs des Kunstestablishments jener Zeit. Der Künstler war stark von seiner unmittelbaren Umgebung beeinflusst und verband in seiner Praxis die visuellen Sprachen chinesischer Ikonografie, urbaner Poesie, Graffiti, künstlerischer Gefängnis-Referenzen und Zeichensprache miteinander. Sein Werk gibt seltene Einblicke in wichtige Abschnitte der jüngeren US-amerikanischen Geschichte und erzählt diese entlang sich verändernder Stadtlandschaften, verborgener Sehnsüchte und komplexer Verstrickungen.

 

In der Ausstellung Martin Wong – Malicious Mischief ist eine Auswahl von über 100 Werken des Künstlers zu sehen. Sie umfasst frühe Gemälde und Skulpturen, geschaffen in der euphorischen Atmosphäre der späten 1960er und frühen 1970er Jahre in San Francisco und im kalifornischen Eureka, zudem Wongs ikonische Arbeiten, entstanden in den 1980er und 1990er Jahren im heruntergekommenen New York, und schließlich seine Reminiszenzen an die Bildwelt der Chinatowns an der Ost- und Westküste, die er kurz vor seinem frühen Tod durch eine HIV-bedingte Krankheit schuf.

 

Martin Wong – Malicious Mischief wurde von den KW Institute for Contemporary Art, Berlin initiiert, kuratiert von Krist Gruijthuijsen und Agustín Pérez Rubio und produziert in Zusammenarbeit mit dem Museo Centro de Arte Dos de Mayo (CA2M), Madrid, dem Camden Art Centre, London und dem Stedelijk Museum Amsterdam.

 

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation, gemeinsam herausgegeben von den KW Institute for Contemporary Art mit dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König.

 

Martin Wong – Malicious Mischief wird durch die Unterstützung der Terra Foundation for American Art ermöglicht. Die Ausstellung und die Publikation in den KW werden durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Mit freundlicher Unterstützung der Martin Wong Foundation, P.P.O.W, New York, KAWS und der Galerie Buchholz.

Win McCarthy
Innenportrait

 

  1. 25. Februar – 14. Mai 2023

Kurator: Krist Gruijthuijsen

Assistenzkurator: Léon Kruijswijk

 

Mit Innenportrait präsentieren die KW Institute for Contemporary Art die erste institutionelle Einzelausstellung von Win McCarthy (*1986, US). In seinem Werk erkundet der Künstler die Dialektik von Stadt und Städter*in, Freundschaft und Fremdsein, Vergangenheit und Gegenwart und weiterer Themen. Oft verweisen seine Arbeiten auf die paradoxe Leere des Lebens in der Metropole. Die Stadt wird zu einer metaphysischen Topografie, in der Immobilienbesitz, Architektur und Planung aufeinandertreffen und zu einem Vokabular werden, mit dem das Selbst entworfen wird.

 

Neben Fotografie und Text schafft McCarthy assoziative Installationen. Seine Werke erscheinen wie Bilder seiner Erinnerungen und entladen sich als Flut von Emotionen bei den Betrachtenden – von Belustigung zu Verwirrung, Bewunderung zu Abneigung bis hin zu Angst. Im Mittelpunkt von Innenportrait steht das Aufeinandertreffen von Optik und Intellekt und die darin aufgehobenen komplexen Ausschlüsse. Subjektivität stellte schon immer ein zentrales Thema in McCarthys Werk dar, und so untersucht er, wie das Selbst damit ringt, sich mit dem Phänomenologischen und dem Ontologischen zu versöhnen ­– an jenem Ort, an dem das „Ich“ aufhört und „die Welt“ beginnt.

 

Die Ausstellung wird von McCarthys erster Publikation Common Ruin begleitet, die das Werk anhand persönlicher Texte des Künstlers reflektiert. Das Buch wird von den KW Institute for Contemporary Art gemeinsam mit dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König herausgegeben.

Karen Lamassonne
Ruido / Noise

 

  1. 25. Februar – 14. Mai 2023

Kurator: Krist Gruijthuijsen

Assistenzkurator: Léon Kruijswijk

 

Ruido / Noise ist die erste Einzelausstellung der kolumbianisch-amerikanischen Künstlerin Karen Lamassonne (*1954, US) in Europa und wird in Zusammenarbeit mit dem Swiss Institute, New York und dem Medellín Museum of Modern Art – MAMM präsentiert. In der Ausstellung sind Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Videos zu sehen, die Lamassonne seit 1974 geschaffen hat.

 

Die Arbeiten der Künstlerin sind häufig in häuslichen Umgebungen wie Badezimmern, Schlafzimmern, Küchen und Fluren verortet. Als Frau unterläuft sie spielerisch geschlechtsspezifische Vorstellungen des Selbstporträts und der Selbstdarstellung, indem sie das Selbst verbirgt oder aber enthüllt. In späteren Arbeiten setzt sie sich mit der intimen Spannung sinnlicher und sexueller Körper im urbanen Raum auseinander.

 

Karen Lamassonne war eng mit der Grupo de Cali (Cali-Gruppe) verbunden, einer Gruppe von Filmemacher*innen, die in den 1960er und 1970er Jahren das Neue Lateinamerikanische Kino einläuteten und damit die Filmproduktion nachhaltig beeinflussten. Lamassonne war unter anderem für die Art Direction von Pura Sangre (1982) unter der Regie von Luis Ospina und der deutsch-kolumbianischen Produktion Kalt in Kolumbien (1985) unter der Regie von Dieter Schidor verantwortlich. Die Ästhetik des Kinos prägt seitdem Lamassonnes künstlerische Praxis.

 

Karen Lamassonne hat in Kolumbien, den USA, Frankreich, Deutschland und Italien gelebt und ist häufig zwischen diesen und anderen Ländern hin- und hergereist. In ihren neueren Arbeiten collagiert sie poetische Überarbeitungen persönlicher Dokumente, Briefe und Postkarten aus ihrem Archiv. Damit führt sie den Austausch über Grenzen hinweg, rückt Veränderungen im Laufe der Zeit in den Fokus und vermittelt ein Gefühl zeitloser Intimität.

 

Die Wanderausstellung wird großzügig unterstützt von der Terra Foundation for American Art.

Enrico David
Destroyed Men Come and Go

 

  1. 10. Juni – 20. August 2023

Kurator: Krist Gruijthuijsen

Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen

 

Die Ausstellung Destroyed Men Come and Go von Enrico David (*1966, IT) in den KW Institute for Contemporary Art ist die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland und widmet sich ausschließlich seiner bildhauerischen Praxis.

 

David arbeitet vorranging mit Bildhauerei, Malerei, Textilien und Installation, erkundet das Formale aber auch in Zeichnungen. In seinen Arbeiten lotet er den Raum zwischen Figuration und Abstraktion aus, wobei er den Körper immer wieder zum Ausgangspunkt macht und die menschliche Figur als Metapher für Transformation untersucht. Die Skulpturen des Künstlers zeugen vom Bemühen um eine Annäherung von Selbst und Bild und unternehmen eine kritische Befragung der körperlichen Autonomie mit Blick auf die verschiedenen Stadien des Nicht-Seins und des becoming („des Werdens“).

 

In der Haupthalle der KW und im Erdgeschoss werden Davids Skulpturen in Analogie zu dieser Vorstellung des Nicht-Seins in einer räumlichen Anordnung ohne Wände präsentiert. So wird ein stiller Nicht-Raum inszeniert – eine Zeit ohne Gegenwart, ein Raum des Wartens und der Spannung. Davids anthropomorphe Skulpturen muten wie aus dem Sein herausgefallen an, als befänden sie sich in einem ständigen Modus performativer Verwandlung. In punktuellen Konfrontationen treffen sie auf die Betrachtenden, gefangen in einem Kampf um den Schein des Absoluten.

 

Die Ausstellung Enrico David – Destroyed Men Come and Go wird großzügig unterstützt von der Henry Moore Foundation, den KW Freunden und der Galerie Michael Werner.

KW Production Series:
Emily Wardill

 

  1. 10. Juni – 20. August 2023

Kurator*in: Mason Leaver-Yap

Kuratorische Assistenz: Linda Franken

 

Im Rahmen der jährlichen Auftragsreihe KW Production Series präsentiert die Künstlerin Emily Wardill (*1977, GB) eine neue, immersive Installation, die sich über das erste Obergeschoss der KW Institute for Contemporary Art erstreckt. Durch das Splitten, Samplen und Vervielfältigen von Ton und Bild setzt sich Wardill mit der Idee der Expansion auseinander, wie sie sich im „Expanded Cinema“ findet – einer von Künstler*innen in den 1960er und 1970er Jahren entwickelten multimedialen Form, die auch die zeitgenössische Netzwerkkultur vorwegnahm.

 

Die Installation zeigt Parallelen zwischen dem aufkommenden Interesse an alternativen Bewusstseinsformen (in Bildung und Freizeit) in den westlichen Industrienationen und dem gleichzeitigen Wirtschaftswachstum in dieser Region nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Dieses verwandte und doch ungleiche Ausweiten von individuellen Wünschen und Akkumulation erwies sich als Gegensatz: Der imaginäre Aspekt der Expansion verdeckte und verstärkte die Bedingungen, die das Wachstum ermöglichten.

 

Wardills Projekt untersucht diese „Aufspaltung“ als gleichermaßen generativ wie unaufrichtig. Indem sie das Publikum in der Mitte positioniert – zwischen dem Verlorenen und dem Gefundenen, Komödie und Tragödie, Innen und Außen, Norden und Süden, dem Ersten und dem Letzten –, sucht sie nach einem anderen Raum, einer polyphonen Erfahrung, die sich der Zuordnung zu einem der beiden Aspekte verweigert.

 

Die KW Production Series sind ein jährlich stattfindendes Auftragsprojekt, das sich mit künstlerischen Bewegtbildarbeiten befasst. Das Projekt ist inspiriert von den Gründungsprinzipien der KW als einem Ort der Produktion, des kritischen Austauschs und der intensiven Zusammenarbeit. Im Rahmen dieser fortlaufenden Reihe versuchen die KW, Künstler*innen zu benennen und zu fördern, die sich an einem entscheidenden Punkt ihrer Arbeit und Karriere befinden – Künstler*innen, die nicht nur von der finanziellen Unterstützung und der institutionellen Sichtbarkeit profitieren, die diese Möglichkeit bietet, sondern die KW Production Series auch nutzen können, um ihre künstlerische Praxis zu vertiefen und und zu erweitern.

Hervé Guibert
This & More

 

  1. 10. Juni – 20. August 2023

Kurator: Anthony Huberman

Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen

 

Die KW Institute for Contemporary Art präsentieren in der Einzelausstellung Hervé Guibert – This & More eine Auswahl an Fotografien des verstorbenen französischen Künstlers, Schriftstellers und Aktivisten Hervé Guibert (*1955, FR – †1991, FR). Die Ausstellung wird von Anthony Huberman, Direktor des CCA Wattis Institute for Contemporary Arts in San Francisco, kuratiert und untersucht Aspekte, die außerhalb der fotografischen Momentaufnahmen liegen.

 

Guibert ist vor allem für seine Porträts bekannt, fotografierte aber auch Interieurs, Objekte und leere Räume – ein wichtiger, noch vergleichsweise unbekannter Teil seines Werks. Auf lakonische und subtile Weise ermöglichen diese Fotografien eine Art des Porträts, bei dem es darauf ankommt, was nicht auf dem Bild zu sehen ist. Die mit Liebe und Traumata aufgeladenen Innenräume laden zu fantasievollen Lesarten der Geschichten jener Menschen ein, die darin leben oder einst gelebt haben. Die Fotografien offenbaren intime Einblicke in das Leben des Künstlers und wahren gleichzeitig das Private, indem sie die Protagonist*innen in sicherer (oder tragischer) Distanz außerhalb der Bildränder halten.

 

Anstatt ein Gefühl von Objektivität oder „Wahrheit“ zu vermitteln, verweist die Ausstellung auf all das, was in Fotografien unsichtbar bleibt: Erinnerungen, Anekdoten, Abwesenheiten und die Vielschichtigkeit des Subjektiven. Guiberts Bilder von Objekten und privaten Räumen sind durchdrungen von der geisterhaften Abwesenheit derer, die sie einst bewohnten und zurückließen. In diesem Sinne befasst sich die Ausstellung mit jenen „Wahrheiten“, die in einer Fotografie schlummern – unsichtbar für unser Auge und doch ganz wesentlich für die Abbildung sind. Sie schlägt Bilder über das vor, was auf den Bildern fehlt.

 

Die Ausstellung Hervé Guibert ­– This & More wird vom CCA Wattis Institute for Contemporary Arts, San Francisco organisiert. Besonderer Dank gilt Christine Guibert und Françoise Morin von der Galerie Les Douches sowie Photi Giovanis von Callicoon Fine Arts. Die Ausstellung wurde zuerst im CCA Wattis Institute for Contemporary Arts gezeigt (Juni–Juli 2022) und wird im MACRO ­– Museum of Contemporary Art of Rome zu sehen sein (März–Mai 2023), bevor sie in den KW Institute for Contemporary Art präsentiert wird.

Pause: The Noa Eshkol Chamber Dance Group

 

25.–27. August 2023

Kurator: Krist Gruijthuijsen

Kuratorische Assistenz: Nikolas Brummer

 

Die Chamber Dance Group (ursprünglich „The Chamber Dance Quartet“) wurde 1954 von Noa Eshkol (*1924, PS – †2007, IL) gegründet, um ihre mit der Eshkol-Wachman Movement Notation (EWMN) entwickelten Choreografien aufzuführen. Eshkol tanzte selbst mit der Gruppe bis in die späten 1950er Jahre, bevor sie sich zunehmend auf die Entwicklung der EWMN, das Choreografieren und das Unterrichten ihrer Tanzstücke konzentrierte. Seit ihrem Tod tritt die Gruppe unter dem Namen „The Noa Eshkol Chamber Dance Group“ auf. Zu den Mitgliedern gehören Rachaeli Nul Kahana, eine Tänzerin der ersten Stunde, sowie die neu hinzugekommenen Tänzer*innen Mor Bashan, Noga Goral und Dror Shoval.

 

Die Aufführungen der Chamber Dance Group bestehen aus dem Grundelement des Tanzes: der Bewegung des menschlichen Körpers. Eshkol betrachtete den Tanz als eine reine, eigenständige Kunstform, die ohne Kulissen, Kostüme oder Musik auskommen sollte. Die verschiedenen Teile des menschlichen Körpers behandelte sie als separate Instrumente, ähnlich den Musikinstrumenten eines Orchesters – jedes mit eigenen Regeln für die auszuführenden Bewegungen. Ihre Kompositionen stützen sich unter anderem auf Serialität sowie auf die mehrstimmigen Formen des Kanons oder der Fuge. Sie nutzte diese Formen, um eine Polyphonie zwischen den verschiedenen Körperteilen der einzelnen Tänzer*innen und den Mitgliedern der Gruppe zu erreichen. Mit ihrem tiefgreifenden Verständnis des Körpers, ihrer Hingabe zur methodischen Komposition und ihrer unerschöpflichen Kreativität schuf sie einzigartige, komplexe und faszinierende Meisterwerke.

Coco Fusco
Tomorrow… I will become an Island

 

  1. 14. September 2023 – 7. Januar 2024

Kurator*innen: Anna Gritz, Léon Kruijswijk

Kuratorische Assistenz: Linda Franken

 

Coco Fusco – Tomorrow… I will become an Island ist die erste große Retrospektive der kubanisch-amerikanischen Künstlerin Coco Fusco (*1960, US) in Deutschland. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Fusco eine wichtige Stimme in Diskursen über Repräsentation, Feminismus, postkoloniale Theorie und Institutionskritik. Anhand einer breiten Auswahl von Videos, Fotografien, Texten, Installationen und Live-Performances aus den 1990er Jahren bis heute zeichnet die Ausstellung in den KW Institute for Contemporary Art den bedeutenden Einfluss des Werks der Künstlerin auf den zeitgenössischen Kunstdiskurs in Deutschland und weltweit nach.

 

Mit ihrer Arbeit hinterfragt Fusco jene institutionellen Infrastrukturen, die die Präsentation, Zirkulation und Wertschöpfung in der Kunst und der visuellen Kultur im Allgemeinen bedingen. Darüber hinaus setzt sie sich mit den anhaltenden Auswirkungen kolonialer Macht und imperialer Kräfte auseinander, was diese Überblicksausstellung gerade auch vor dem Hintergrund aktueller politischer und kultureller Debatten in Deutschland höchst relevant macht. Die KW haben Fusco mit der Konzeption eines neuen Performance-Monologs beauftragt und werden in Kooperation mit dem ICI Berlin eine Vortragsreihe entwickeln, um die Vielschichtigkeit und Multidisziplinarität ihrer schriftstellerischen, aktivistischen und performativen Arbeit zu würdigen.

 

Parallel zu der Ausstellung in den KW erscheint im Verlag Thames & Hudson eine umfangreiche, gleichnamige Monografie zu Fuscos Werk mit Beiträgen von Julia Bryan-Wilson, Anna Gritz, Jill Lane, Antonio José Ponte und der Künstlerin selbst.

Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2022:
Kameelah Janan Rasheed

 

  1. 14. September 2023 – 7. Januar 2024

Kuratorin: Sofie Krogh Christensen

Kuratorische Assistenz: Linda Franken

 

Kameelah Janan Rasheed (*1985, US) wurde 2022 mit dem Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung ausgezeichnet. In ihrer Arbeit setzt sich Rasheed mit der Materialität und Lesbarkeit von Text, Schrift und Sprache und dem Potenzial intermedialer Übersetzungen auseinander. Sie sucht nach Methoden, die uns Bedeutungen neu fassen lassen und geht der Frage nach, wie wir lesen und wie wir selbst gelesen und verstanden werden wollen. Dafür dekonstruiert und rekonstruiert sie die Bedeutung literarischer und wissenschaftlicher Texte, indem sie beispielsweise mit Faktoren wie Syntax und Interpunktion, aber auch mit der Konnotation und Größe einzelner Wörter experimentiert. Durch das fortlaufende Überarbeiten von Texten schlägt Rasheed eine Brücke zwischen Politik und Poesie, um die der Sprache innewohnenden Komplexitäten und Bedeutungsverschiebungen zu erforschen und ihre Möglichkeiten aufzuzeigen. Die Präsentation von Rasheeds künstlerischer Arbeit in den KW Institute for Contemporary Art ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Berlin. Aus diesem Anlass sind sowohl eine Publikation als auch die Produktion einer neuen Arbeit geplant.

 

Der Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung ist aus dem Kunstpreis der Schering Stiftung hervorgegangen, der zwischen 2005 und 2018 alle zwei Jahre an internationale Künstler*innen vergeben worden ist. Der Preis wurde 2019 in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin neu konzipiert. Im Jahr 2022 wurde der Preis für künstlerische Forschung bereits zum siebten Mal in Kooperation mit den KW verliehen.

Metabolic Museum-University
SKIN IN THE GAME

 

  1. 14. September 2023 – 7. Januar 2024

Kuratorin: Clémentine Deliss

Kuratorische Assistenz: Nikolas Brummer

 

SKIN IN THE GAME präsentiert wegweisende Werke der 1970er und frühen 1980er Jahre aus den persönlichen Archiven international bekannter Künstlerinnen. Ausgestellt werden nie zuvor gezeigte Experimente und generative Elemente wie Aufnahmen, Storyboards, Maquetten und Konzeptnotizen. Diese „prototypischen“ Werke versinnbildlichen Momente des emanzipatorischen Übergangs in der individuellen Karriere jeder der Künstlerinnen. Zwar sind sie fragmentarisch, heruntergebrochen und veränderlich, aber als Prototypen werden sie im Laufe der Zeit wahrscheinlich wiederholt und überarbeitet. Sie werden zu den Organen eines Korpus, eines Werkkörpers, im metabolischen Sinne. Die Ausstellung bietet Einblicke in das Innenleben der künstlerischen Praxis vor der endgültigen Produktion und Präsentation eines Kunstwerks. Bei SKIN IN THE GAME werden die persönlichen Forschungssammlungen der Künstlerinnen zum Ausgangspunkt für Seminare mit Künstler*innen und Kurator*innen der jüngeren Generation. So entsteht in den KW ein Studienumfeld oder Bureau d’Esprit für die Besucher*innen. Die teilnehmenden Künstlerinnen werden Anfang 2023 bekanntgegeben.

 

Durch ein breit aufgestelltes Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm erprobt SKIN IN THE GAME die Methodik des Projekts Metabolic Museum-University (MM-U), das Clémentine Deliss (The Metabolic Museum, Hatje Cantz/KW, 2020) seit 2015 an verschiedenen Orten entwickelt. Es handelt sich dabei um eine von der Kunst geleitete kuratorische Plattform, die mit Sammlungen als Prototypen für ergebnisoffene Untersuchungen und transdisziplinäre Übungen experimentiert.

 

Ab Februar 2023 wird die Dokumentation früherer Veranstaltungen wie der MM-U Debating Chamber, die 2021 in den KW stattfand, auf einer projekteigenen Webseite zur Verfügung gestellt.

BPA// Berlin program for artists Exhibition 2023

 

  1. 6. Dezember 2023 – 7. Januar 2024

Kuratorin: Sofie Krogh Christensen

Assistenzkuratorin: Anna-Lisa Scherfose (BPA//)

 

Die Partnerschaft der KW Institute for Contemporary Art und des BPA// Berlin program for artists besteht seit 2020. BPA// ist ein unabhängiges Mentoring-Programm, das den Austausch zwischen aufstrebenden und bereits etablierten Berliner Künstler*innen fördert. Mit dem 2016 von Angela Bulloch, Simon Denny und Willem de Rooij ins Leben gerufenen Programm werden gegenseitige Atelierbesuche, öffentliche Vorträge und gemeinsame Ausstellungen organisiert. Die BPA// Exhibition in den KW zeigt Arbeiten der Künstler*innen des letzten Jahres, die während ihrer Teilnahme an dem Programm entstanden sind.

Pressekontakt

 

Marie Kube

Tel. +49 30 243459-41

Anna Falck-Ytter

Tel. +49 30 243459-134

press@kw-berlin.de

 

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin
www.kw-berlin.de

 

 

Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird ermöglicht durch die Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Die Ausstellungen und Projekte des Jahresprogramms 2023 finden statt in Zusammenarbeit mit und/oder werden gefördert durch:

 

Titel- und Laufzeitenänderungen vorbehalten.

Stand: 23. November 2022