VILLEGGIATURA

 

7.–8. November 20

Ort: KW Studio, Vorderhaus, 1. Stock
Eintritt frei
Konferenz in deutscher und englischer Sprache mit Simultanübersetzung
Ein Livestream der Konferenz erfolgt über die Website der KW. 

 

Bitte beachten Sie, dass die Besucher*innenkapazität aufgrund der COVID-19-Einschränkungen begrenzt ist. Weitere Informationen zur Anmeldung folgen in Kürze.

 

Der Zugang zum Konferenzraum ist leider nicht barrierefrei. Wir bitten um Ihr Verständnis.

 

<p>Evariste Carpentier, <em>Promenade d’une famille dans les environs de Paris</em>, ca. 1893, Foto: Frédéric Jaulmes</p>

Evariste Carpentier, Promenade d’une famille dans les environs de Paris, ca. 1893, Foto: Frédéric Jaulmes

 

Rurale Gentrifizierung, zeitgenössische Kunst und bessere Optionen, alt und neu

 

VILLEGGIATURA diskutiert Muster ruraler Gentrifizierung und fragt nach der Rolle, die zeitgenössische Kunst in diesen spielt. Verdrängungsprozesse unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, von Region zu Region. Trotz aller Spezifitäten weisen jüngere Fälle von Land Grabbing jedoch Gemeinsamkeiten auf, die dabei helfen könnten, kollektive Lösungen zu finden. Wenn Kunst und Kultur einen Beitrag leisten können, wie könnte dieser aussehen – im Normalfall und im bestmöglichen Fall? VILLEGGIATURA beschäftigt sich sowohl mit historischen Entwicklungen als auch mit Strategien der Visualisierung, die bessere Modelle möglich werden lassen – technologisch, ideologisch und finanziell.

 

Obwohl viel auf dem Spiel steht, wissen die meisten Städter*innen mehr über Mietpreise in Kreuzberg als über den Ausverkauf Brandenburgs. Das Pastorale dient dem Urbanen schon seit jeher als identitätsstiftende Metapher. In der Renaissance bezeichnete Villeggiatura eine Sommerfrische im altrömischen Stil, einen Landsitz als neuzeitliches Arkadien. In einigen Gegenden lebt diese imperiale Nonchalance bis heute fort. Um genau diese Abstraktionen und die Infrastrukturen, die sie ermöglichen, geht es VILLEGGIATURA.

 

Dabei werden wir nicht in (Selbst-)Kritik verharren, sondern versuchen, zukunftsträchtige Modelle zu entwickeln: Wie kann die Stadt als größere Biosphäre und nicht nur als Insel in einem Meer schöner oder langweiliger Landschaften begriffen werden? Urbane Räume haben gegenüber ländlichen insofern einen Vorteil, als dass dortige Verdrängungsprozesse ein vieldiskutiertes Thema sind, das regelmäßig Schlagzeilen macht. Dies ist nicht zuletzt auf jene Netzwerke zurückzuführen, die Berlin und andere Metropolen zu Kampfplätzen um das „Recht auf Stadt“ gemacht haben. Die Nichtbeachtung ruraler Gentrifizierung im medialen Mainstream hat derweil komplexe Auswirkungen auf mit ihr verbundene Identitätskrisen und Heimatgefühle. Können aus politischen Gegensätzen zwischen Stadt und Land taktische Bündnisse geschmiedet werden?

 

Teilnehmende: Marwa Arsanios, Grace Blakeley, Marco Clausen, Simone Hain, Maria Hetzer, Wolfgang Kil, Suhail Malik, Bahar Noorizadeh, RIWAQ, Christopher Roth, Katya Sander, terra0, Axel Vogel, Marion von Osten und weitere

 

Kurator: Tirdad Zolghadr in Zusammenarbeit mit Marion von Osten
Kuratorische Assistenz: Sabrina Herrmann

 

 

<p>VILLEGGIATURA wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. </p>

 

VILLEGGIATURA wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. 

 

VILLEGGIATURA ist Teil des Programms REALTY, einem Projekt, das die Rolle zeitgenössischer Kunst in Entwicklungs-, Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozessen untersucht und Wege aufzeigt, diesen Prozessen mit den Mitteln der Kunst zu begegnen. Das Programm des im August 2017 ins Leben gerufenen Projekts umfasst eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen, ein Forschungsstipendium, den Online-TV-Kanal REALTY-V sowie Universitätsseminare, interne Arbeitsgruppen und mehrere künstlerische Auftragsarbeiten. REALTY wird von Tirdad Zolghadr kuratiert und von den KW Institute for Contemporary Art unterstützt.